SCO vs. Linux: SCO findet IBMs Code-Forderungen unzumutbar

In der Auseinandersetzung um möglicherweise nach Linux transferierten Code, auf den SCO Anspruch erhebt, möchte IBM große Teile des Quellcodes von SCO-Systemen einsehen -- unter Umständen würde dadurch Hewlett-Packard in die Auseinandersetzung einbezogen.

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Von
  • Detlef Borchers

In der Auseinandersetzung zwischen der SCO Group und IBM um möglicherweise nach Linux transferierten Code, der SCO gehören soll, hatte SCO in der vergangenen Woche einen Etappensieg eingefahren. Im Rahmen der Beweisaufnahme verpflichtete die Richterin IBM zur Herausgabe des Quellcodes aller Versionen der Betriebssysteme AIX und Dynix. Nun wendet sich SCO gegen das Ansinnen von IBM, ebenfalls große Mengen von Quellcode durchsehen zu können. Die Forderung des Konzerns, den Quellcode aller in den vergangenen sechs Jahren produzierten Software einzusehen, die SCO oder der Rechtsvorgänger Caldera produzierten, bezeichnen die SCO-Anwälte in einer Eingabe vor Gericht als unzumutbar. SCO würde durch die Forderungen von IBM über Gebühr belastet und praktisch dazu gezwungen, das Tagesgeschäft zu vernachlässigen, heißt es in der Eingabe, die die Prozessbeobachtungs-Website Groklaw veröffentlicht hat.

Der Erfolg dieser Eingabe ist jedoch zweifelhaft. Die Untersuchungsrichterin, die IBM zur Herausgabe des Materials verpflichtete, dürfte im Gegenzug bei SCO die Herausgabe anordnen, da sonst eine Verfahrensklage von IBM droht. Zu den Quellen, die IBM einsehen möchte, gehört auch Unixware Reliant, bei dem SCO von Hewlett Packard (als Rechtsnachfolger von Compaq/Tandem) lizenzierten Code für die Hocherverfügbarkeit seines Betriebssystems einsetzte. Damit würde nach IBM und den in anderen SCO-Prozessen involvierten Firmen Novell und Red Hat eine weiterere Firma in die Suche nach den Codezeilen von Linux einbezogen, an denen SCO Rechte beansprucht.

Unterdessen wurde bereits am Montag bekannt, dass mit DaimlerChrysler eine Firma endgültig nicht mehr in die unendliche Geschichte involviert ist, von der SCO mehrere Millionen Schadensersatz erwartet hatte. Bereits im Dezember hatte ein Gericht in Oakland die Klage gegen DaimlerChrysler abgewiesen. Nun hat nach einem Bericht der Salt Lake Tribune auch das zuständige Berufungsgericht gegen SCO entschieden. SCO hat drei Wochen Zeit, gegen diese Entscheidung Einspruch einzulegen, scheint aber nach dem von der Zeitung zitierten Sprecher Blake Stowell diesen Schritt zu überdenken.

Zu den Entwicklungen im Streit zwischen SCO, IBM und der Open-Source-Gemeinde siehe den Artikel auf c't aktuell (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (jk)