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SCO vs. Linux: Schwere Schlappe für SCO im Streit um Unix-Rechte

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In der Auseinandersetzung um die Rechte am Betriebssystem Unix zwischen Novell und der SCO Group hat Novell einen vorentscheidenen Teilsieg erreicht: Der zuständige Untersuchungsrichter Dale Kimball hat am Freitagabend seine Entscheidung in einem strittigen Punkt veröffentlicht und auf über 100 Seiten begründet: Novell besitzt die Copyright-Rechte an Unix und Unixware und hat das Recht, Verträge zu kündigen, die dieses Copyright verletzen.

Mit dieser Entscheidung des Richters hat die SCO Group eine äußerst schwere Niederlage erlitten, die die gesamte Prozessstrategie der Firma in Frage stellt: Sie hat in der Auseinandersetzung mit Novell, IBM und Red Hat stets behauptet, nicht nur im Besitz der Unix-Lizenzrechte zu sein, sondern auch sämtliche Copyrights von Novell erworben zu haben. Weite Teile der Klagen von SCO beruhen in allen drei Fällen auf der Annahme, dass die jeweils gegnerische Partei das Copyright verletzt hat.

Vor diesem Hintergrund ist auch der große Prozess zwischen der SCO Group und IBM unmittelbar betroffen. In dieser Auseinandersetzung bleibt nach dem Stand der Dinge nur noch die Behauptung übrig, dass IBM unrechtmäßig Source-Code oder "nicht wortwörtlich kopierte" Programmier-Methoden und -Konzepte verwendet haben soll. Dementsprechend bittet Richter Kimball IBM ebenso wie SCO bis zum 31. August um eine Stellungnahme, wie sie im Licht der jüngsten Entscheidungen den weiteren Prozessverlauf beurteilen.

Ungeachtet der Entscheidung von Richter Kimball ist der Prozess zwischen Novell und der SCO Group damit noch nicht beendet. Selbst dann, wenn SCO die Entscheidung des Richters nicht anfechten wird, sind noch Klagepunkte offen, die in dem anstehenden Prozess geklärt werden müssen, auch wenn die grundsätzliche Frage entschieden ist. So sind aus der Klage von Novell gegen SCO noch eine Reihe von Lizenzzahlungen strittig, die SCO an Novell zu leisten hat. Auf diese Lizenzzahlungen geht Richter Kimball in seiner Copyright-Entscheidung direkt ein: Im übrig gebliebenen Verfahrensteil müsse darüber entschieden werden, welche Beträge die SCO Group aus dem Lizenzabkommen zwischen SCO und Microsoft an Novell zahlen muss, Für die Nutzung von Unix-Code hatte Microsoft insgesamt 36 Millionen Dollar an SCO gezahlt. Zu Beginn der juristischen Auseinandersetzungen mit Novell im Jahre 2003 hatte SCO wiederum alle Zahlungen an Novell eingestellt.

Die unendliche Geschichte ist etwas endlicher geworden, ganz zu Ende ist sie jedoch noch nicht.

Zu den Entwicklungen in dem Streit, den SCO mit IBM, Novell und der Open-Source-Gemeinde um SCO-Rechte an Unix und angeblich unrechtmäßig in Linux übernommenen Code angezettelt hat, siehe den Online-Artikel in c't Hintergrund (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (jk)