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SCO vs. Linux: Verzögerungen abgelehnt, SCOlaris aufgetaucht

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In der Auseinandersetzung mit IBM um angeblich unrechtmäßig von AIX nach Linux kopierten Code, an dem die SCO Group beansprucht, via Unix System V Rechte zu besitzen, hat SCO eine kleine Niederlage erlitten. SCO hatte einen Antrag bei Gericht eingereicht, der sich auf die schriftlich eingereichten eidesstattlichen Aussagen von drei ehemaligen Angestellten der Firmen AT&T und Sequent bezog. Um ihre Aussagen zur Gestaltung von Lizenzverträgen durch den einstigen Unix-Besitzer AT&T prüfen zu können, hatte SCO um eine Terminverschiebung ersucht. In einer Telefonkonferenz mit allen Beteiligten entschied Richterin Brooke Wells nun, dass der Aufschub abgelehnt wird, weil die Eingabe zu spät erfolgte und allen zur Aussage herangezogenen Beteiligten unnötige Lasten aufbürdete. Damit hat die SCO Group erstmals eine Niederlage bei der Taktik hinnehmen müssen, die anhängigen Verfahren mit allen Mitteln zu verzögern.

Unabhängig von diesem Handlungsstrang hat SCO das Team der Anwälte um drei Spezialisten für das Patentrecht erweitert. Für SCO arbeiten nun 14 Anwälte im Verfahren gegen IBM. Die Patent-Spezialisten kommen aus dem Washingtoner Büro der großen Anwaltssozietät Andrews, Kurth -- nicht von der Sozietät des Staranwalts David Boies, die 9 Millionen Dollar für die Vertretung im Prozess kassiert hat und obendrein an der SCO Group beteiligt wird. Die Patentanwälte sollen sich augenscheinlich um die Gegenklage von IBM kümmern, in der IBM-Patente eine Rolle spielen.

Ein weiterer Verfahrensabschnitt, in dem SCO und IBM in einer mündlichen Anhörung vor dem Hauptrichter Kimball auftraten, ist noch nicht vom Richter entschieden worden. Hier geht es um den Antrag von SCO, das Verfahren zu teilen und Patentrecht- wie Vertragsrechtfragen getrennt zu behandeln.

Last but not least hat die SCO Group auf die unlängst bekundete Absicht von Sun Microsystems reagiert, Solaris als Open Source herauszugeben. Gegenüber der australischen Computerworld erklärte Marketing-Manager Marc Modersitzki, dass Sun sicherlich weitgehende Rechte am Unix-Code habe. Sie würden jedoch nicht so weit gehen, dass Sun alle Beschränkungen ignorieren und rechtlich zur SCO gehörendes Material in die GPL überführen könne. Die Beschwerde des Marketiers läuft darauf hinaus, dass Solaris im Kern ein SCOlaris ist. Sollte Sun seine Open Source-Pläne verfolgen, so ist aus der Sicht von SCO ein Prozess gegen die Firma von Scott McNealy unvermeidlich -- auch wenn Sun neben Microsoft die einzige Firma ist, die in nennenswertem Umfang Lizenz-Beträge in die Kriegskasse von SCO einzahlte.

Zu den Entwicklungen im Streit zwischen SCO, IBM und der Open-Source-Gemeinde siehe den Artikel auf c't aktuell (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (jk)