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SCO vs. Linux: verfrühtes Halloween

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Halloween ist in der amerikanischen Folklore eine gruselige Nacht am letzten Oktober, in der man Partys feiert und sich gegenseitig höllischen Schrecken einjagt. Im IT-Bereich ist Halloween das Datum, an dem Microsoft vor den Erfolgen der Open Source erschrickt und dafür Erklärungen sucht. Nun hat Eric S. Raymond den Begriff der Halloween Documents erweitert und als Halloween 9 ein umfangreiches Dokument veröffentlicht, in dem der Konflikt zwischen SCO und der Open-Source-Community mitsamt der Vorgeschichte zusammengefasst wird. Schon der Titel "It Ain't Necessarily SCO" enthält eine Begründung für diese Aktion, ist Raymond doch überzeugt, dass die von Microsoft als Lizenzgebühren gezahlten 6 Millionen US-Dollar plus avisierte 5 Millionen über drei Quartale direkt in die Kriegskasse von SCO wandern und die verschiedenen Aktionen finanzieren. Für sich genommen, enthalten die Halloween-9-Dokumente keine neuen Erkenntnisse, fassen aber den Stand der Dinge gut zusammen, soweit es die amerikanischen Verhältnisse anbelangt.

Ob Linux in Europa im gleichen Maße von den Ansprüchen der SCO Group betroffen ist, kann dagegen als neuer Aspekt in der Debatte gewertet werden. Auf die Diskrepanz zwischen US-amerikanischem und europäischem Recht machte der englische Jurist Gary Lea in einem Brief an den Register aufmerksam. In seinem Brief gibt Lea sich überzeugt, dass der europäische Anwender ausreichend durch die GPL vor Bedrohungen im Stil von SCO geschützt werden könne. Er bezweifelt, dass ein in den USA möglicherweise gültiges Vorgehen wie die Vergabe einer Antidot-Lizenz im selben Stil in Europa durchgezogen werden könne. Im Kontext von Raymond könnte man sagen: Auch Halloween ist nur ein amerikanisches Volksfest, das in den letzten Jahren vereinzelt in Europa übernommen wurde.

Mit der Veröffentlichung von Halloween 9 hat Eric Raymond wieder sicheren Boden unter den Füßen. Am vergangenen Sonntag plädierte er in einem offenen Brief mit dem Titel Let SCO hang itself für den Abbruch einer vermuteten DDoS-Attacke auf SCO, obwohl es zumindest anfangs keineswegs eindeutig war, ob SCO überhaupt attackiert wurde. So waren zwar die Hauptseiten von SCO nicht erreichbar, die von IBM Global Services betriebenen Seiten für SCO-Investoren konnten jedoch abgerufen werden. Mittlerweile hat SCO gegenüber diversen US-Medien bestätigt, dass man unter einer DoS-Attacke zu leiden gehabt habe. Und Raymond ließ seinem offenen Brief einen weiteren unter dem Titel "Let's not repeat this folly" folgen, in dem er von einem erfahrenen Internet-Ingenieur berichtet, der die Attacke koordiniert haben soll. Der unter dem Titel "Rebel Alliance provisional command" agierende Raymond zeigte sich erschrocken, dass keine Script-Kiddies die Attacke geführt haben und appellierte nochmals an alle Beteiligten der Linux-Community, die Auseinandersetzung mit SCO mit Argumenten zu führen.

Zu den jüngsten Entwicklungen im Streit zwischen SCO, der Open-Source-Gemeinde und den Linux-Firmen siehe auch:

(Detlef Borchers) / (jk)