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SEO: Google als unverzichtbarer Problembereiter

SEO ist tot, lang lebe SEO – auf der Fachkonferenz SEO Campixx trifft sich an diesem Wochenende in Berlin eine Branche im Umbruch. Während das klassische Linkgeschäft schwächelt, rücken Inhalte in den Vordergrund.

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SEO Campixx

Eine hohe Keyworddichte und möglichst viele Links, gerne auch aus zweifelhafter Quelle, sind schon lange kein Weg mehr zu Top-Positionen in der Google-Suche. Anstelle der einstigen Kerndisziplinen Linkaufbau und technische Onpage-Optimierung ist die Qualität der Inhalte in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt gerückt, was sich auch in den Online-Marketing-Budgets von Unternehmen ausdrückt. Auf der siebten Ausgabe der Fachkonferenz SEO Campixx tauschen sich an diesem Wochenende 550 Fachleute darüber aus, wie und wo man Suchende künftig am besten erreicht und bedient.

Von den gelegentlich groß diskutierten Updates des Google-Algorithmus sollte man sich nicht ablenken lassen. Wichtiger sind die permanent optimierten, zahlreichen Ranking-Faktoren, erklärte der ehemalige Google-Mitarbeiter und heutige Berater Jonas Weber in seinem Vortrag. So gebe es jährlich mehrere Hundert Aktualisierungen des Rankings, basierend auf mehreren Zehntausend Experimenten. Falle das eigene Projekt einer dieser Änderungen zum Opfer, sollte man keine übereilten Schritte übernehmen und nicht zu viel auf einmal verändern. So könne eine "Über-Optimierung" dazu führen, dass eine Seite direkt vom einen Filter in den anderen gelange und im Endeffekt weiterhin schlecht dastehe.

Viele Webmaster täten gut daran, gezielt minderwertige Unterseiten deindexieren zu lassen und Google nur die Seiten anzubieten, die über nutzwertige Informationen verfügen, erläuterte Weber. Unternehmen säßen hier häufig auf wertvollen Inhalten, die allerdings noch nicht oder nur ungenügend online präsentiert werden. Technische wie inhaltliche Änderungen sollten genau dokumentiert werden, um im Problemfall die Ursache schnell identifizieren zu können.

Eine große Debatte gibt es rund um das Thema Datenschutz im Zusammenhang mit Suchmaschinen. Mario Fischer, Professor für Wirtschaftsinformatik an der FH Würzburg, sieht den Datenhunger der großen Netzkonzerne gelassen. Für Google, Facebook & Co. sei einzig das Nutzungsprofil interessant. Realer Name und Alter hätten überhaupt keine Relevanz. So habe Google den 51-jährigen Fischer laut Preferences in die Altersgruppe 25–34 Jahre einsortiert. Die Old Economy, in der Händler, Banken und Versicherungen regelmäßig selbst überhaupt nicht benötigte persönliche Informationen zwingend einforderten, sei hier deutlich bedenklicher.

An der Relevanz der Google-Suche werde sich nach Einschätzung von Fischer in den nächsten Jahren nichts ändern. Mit anderthalb Jahrzehnten Search-Erfahrung und einer technischen Infrastruktur, die derzeit rund 50 Millionen Seiten pro Sekunde crawle, sei der Konzern kaum einzuholen. Um die Suche herum habe Google außerdem etliche vielgenutzte Tools wie Android, Chrome und Gmail etabliert. Ob die Suche dann künftig über Web-Browser, Smartphone oder Datenbrille erfolge, sei für das Unternehmen unerheblich. Facebook sei im Vergleich dazu nur eine Kneipe, die, wenn die eigenen Freunde sie verlassen, schnell ihre Bedeutung verlieren könnte. Die Suchkompetenz sei nahezu gleich Null, man könne bei Facebook nicht einmal seine eigenen, älteren Postings finden. Und "Social Commerce" müsse seinen kommerziellen Wert noch unter Beweis stellen, gerade im Mobile-Bereich.

Durch vergangene Exzesse haftet der SEO-Branche heute ein zweifelhaftes Image an, räumte auch Konferenz-Veranstalter Marco Janck von der Agentur Sumago im Gespräch mit heise online ein. Tatsächlich gewinne aber auch hier die Erstellung von nutzwertigen und emotional ansprechenden Inhalten immer mehr an Bedeutung, womit das Aufgabenprofil in Teilen zunehmend dem von Kreativagenturen wie Jung von Matt ähnele. Ziel sei es in allen Fällen, den Werbekunden und seine Leistungen interessant zu machen. In anderen Marketing-Disziplinen gebe es einen großen Bedarf, das Thema "Search" zu verstehen. Die SEO Campixx trägt dieser neuen Ganzheitlichkeit Rechnung, indem der Kongress erstmalig im Rahmen einer ganzen Veranstaltungswoche mit Thementagen etwa für Neuromarketing und Inbound Marketing ausgerichtet wurde. (ea)

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