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SEO: Mobil ist nicht genug

Das Suchverhalten im Internet ändert sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. Was der Siegeszug des mobile nWeb für Suchmaschinenoptimierung bedeutet, wird auf der Fachkonferenz SEO Campixx diskutiert.

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Blick ins Plenum der SEO Campixx 2016

Blick ins Plenum der SEO Campixx 2016

(Bild: Johannes Haupt/4pub)

Die achte Ausgabe der Fachkonferenz SEO Campixx, die an diesem Wochenende mit 550 Teilnehmern in Berlin stattfindet, steht ganz im Zeichen des mobilen Web. Aus knackigen Keywords werden – vom Nutzer eingesprochene – Sätze, bei vielen Phrasen und Themenfeldern haben Mobilgeräte die klassische Desktop-Suche längst abgehängt. Das Tempo, mit dem sich das Suchverhalten inzwischen auch im deutschsprachigen Raum ändert, überrascht selbst viele Fachleute.

Wer etwa bei Google im Frühjahr 2015 nach "Klavier" suchte, machte das in 34 Prozent aller Fälle über ein Smartphone oder Tablet. Im Frühjahr 2016, nur zwölf Monate später, hat sich der Anteil mobiler Suchanfragen bei diesem Keyword fast verdoppelt (63 Prozent). Auch wer sich für "Rauchen aufhören" interessiert, googelt diese Phrase heutzutage weit überwiegend über ein Mobilgerät (2015: 44 Prozent, 2016: 61 Prozent, alle Zahlen laut Google). Deutschsprachige Lifestyle-Magazine werden inzwischen deutlich mehrheitlich mit Mobilgeräten angesteuert, Nachrichtenseiten pendeln meist um die 50-Prozent-Marke

Allerdings ist mobil nicht gleich mobil, betonte Stefan Fischerländer von der Agentur Gipfelstolz in seiner Session. So unterscheiden sich die Google-Suchergebnisse auf einem Tablet deutlich von denen auf einem Smartphone, auch weil das Nutzungsverhalten ein anderes ist; Tablet-Besucher verweilen ungleich länger auf einer Seite als Smartphone-Besucher.

Absolut betrachtet sind die Unterschiede zwischen Desktop- und Mobile-Suchergebnisseiten allerdings erstaunlich gering. Bei einer von Fischerländer vorgenommenen Auswertung von 10.000 Suchanfragen waren die ersten organischen Ergebnisse in 92 Prozent aller Fälle komplett identisch. Und: Längst nicht in allen Bereichen ist das mobile Web so relevant wie in den genannten Beispielen. So legte zwar auch bei B2B-E-Commerce-Seiten der Anteil mobiler Zugriffe in den letzten zwölf Monaten um ein Drittel zu – allerdings auf sehr niedrigem Niveau, nämlich von 6 auf 9 Prozent.

Ein Thema, das Google aktiv forciert, ist Einschluss von App-Inhalten in mobile Suchergebnisse. Bei Android-Geräten werden seit einigen Monaten nicht mehr nur bereits installierte Apps indexiert (App Indexing), sondern auch nicht geladene Apps, die in der Cloud ausgeführt werden (App Streaming). Derzeit werden bereits bei 40 Prozent aller Web-Suchen auf Android-Geräten Treffer von indexierten Apps angezeigt, mehr als 100 Milliarden App-Seiten hat Google im Index.

Schließlich riet der Agenturchef dazu, nicht nur auf die Websuche von Google zu schauen. So würde bei Bedarf an einem bestimmten Produkt häufiger direkt bei Amazon gesucht als über konventionelle Suchmaschinen, und für viele junge Leute ist der Suchschlitz von Youtube die erste Anlaufstelle für Informationen.

Psychologische Trigger auf Landing Page von Parship

(Bild: netspirits)

Eine schnelle Ladezeit (die Google z. B. bei AMP-Websites belohnt) und eine gute Darstellung auf Mobilgeräten sind die Grundlage; entscheidend für gute Rankings sind aber die eigentlichen Inhalte. Hier rief Timothy Scherman von der Agentur Netspirits dazu auf, psychologische Trigger zu bedienen, die in der Offline-Werbung bereits seit Jahrzehnten Gang und Gäbe sind.

Ein Prototyp dafür sei die Tabakindustrie, die in besonders großem Maße abstrakte Emotionen wie Freiheit und Genuss anspricht und Gruppen-Zugehörigkeit zu vermitteln versucht, anstatt auf "harte" Produktmerkmale einzugehen. Suchmaschinenoptimierer können sich das etwa bei ihren Snippets (Kurztext auf Suchergebnisseiten) zunutze machen und den emotionalen Nutzen beschreiben, anstatt Spezifikationen und Keywords aneinander zu reihen.

Obwohl – oder gerade weil – Suchmaschinenoptimierung immer komplexer und vielfältiger wird, sei SEO auch als eigene Disziplin relevanter denn je, bekräftigte Konferenzveranstalter Marco Janck von der Agentur Sumago im Gespräch mit heise online. Suchmaschinenoptimierer agieren in Unternehmen interdisziplinär, ihre Handlungen führten schnell zu messbaren Resultaten. Sogar eigentlich schon tot gesagte Teildisziplinen wie Linkaufbau erlebten eine neue Blütephase, allerdings in anderem Gewand. Statt direktem Linkkauf in großem Stil würde heute über die Zusammenarbeit mit Meinungsführern Verweise generiert, die neben google-relevanten Links auch in direktem Traffic resulieren – was ja auch das eigentliche Ziel von SEO sei.

Marco Janck, Veranstalter der SEO Campixx 2016

(Bild: Johannes Haupt/4pub)

Aus Agentur-Sicht stellt Janck bei vielen Unternehmen derzeit eine grundsätzliche Überforderung fest. Mit immer neuen Möglichkeiten und Kanälen – Stichwort: Snapchat – entwickele sich das Online Marketing rasant weiter, viele Betriebe kämen aber nicht mehr hinterher. Statt kleinen und mittelständischen Unternehmen komplexe Strategien zu verkaufen, die ohnehin nie umgesetzt würden, seien leicht implementierbare Lösungen und die Entwicklung eigener Produkte gefragt. Und ein Fokus aufs heute Wesentliche: Digitale Assistenten wie Siri und Cortana, mit denen sich die Art von Suchanfragen grundlegend verändern, müssten zwar genau beobachtet werden. Doch sei ihre heutige Bedeutung aber in den meisten Fällen zu vernachlässigen, erklärte Janck. (Johannes Haupt) / (je)

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