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SIGINT: Hacker an die Macht

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Wer sitzt am Hebel in der Welt der Bits und Atome? Auf der Konferenz SIGINT des Chaos Computer Clubs (CCC) in Köln hielt US-Aktivist Nick Farr ein Plädoyer dafür, Hackern mehr Macht zu geben.

Farr, der sich unter anderem für die Hackerspaces-Bewegung engagiert, sieht in dem Hacker den Idealtypus für den lösungsorientierten Entscheidungsträger: „Während Politiker als oberstes Ziel haben, ihren Job zu behalten und den Leuten freundliche Lügen erzählen, konzentrieren sich Hacker darauf, defekte Systeme zu reparieren, und sie sind Experten darin, die unfreundliche Wahrheit zu sagen.“ Während das politische System derzeit Kreativität und Widerspruch gegenüber Mächtigeren abstrafe, hätten Hacker immer revolutionäre Wege gefunden und Autoritäten offen konfrontiert. Eine Regierung könne auch als komplexes System begriffen werden, das wie ein Computer und Netzwerk analysiert werden könne. „Hacker verstehen komplexe Systeme“, erklärte Farr.

Farr kritisierte die hohen Rüstungsausgaben in seinem Land, die weitgehend nur der Jobsicherung in der US-Rüstungsindustrie dienten. Stattdessen würde er lieber in die Fortentwicklung der Raumfahrt investieren. Auch bei den Themen Klimawandel und Staatsverschuldung hätten Hacker die besseren Chancen, zukunftsfähige Politik durchzusetzen. So viel Enthusiasmus war den Hackern im Publikum aber schon zu viel. „Hacker sind sehr schlecht in Sachen Demokratie. Wir können Dinge nicht richtig erklären“, widersprach ein Zuhörer.

Dass die Hacker-Community aber nicht alle gesellschaftliche Probleme einfach analysieren oder gar lösen kann, zeigte das Panel zum Thema Geek-Feminismus. Dort beklagte die US-Hackerin Eleanor Saitta unter anderem die Unsensibilität der IT-Branche gegenüber Frauen. „Manche finden absolut nichts dabei, auf Konferenzen Hardcore-Pornos zu zeigen“. Diese Haltung offenbarte sich auch in anderen Aspekten: selbst in afroamerikanischen oder Latino-dominierten Vierteln sei das Publikum der Hackerspaces überwiegend weiß, männlich und gehörte mindestens zur Mittelklasse.

Saitta plädierte dafür, aktive Anstrengungen zu unternehmen, mehr Vielfalt in die Hackerspaces zu bringen. „Meist sind es schon die kleinen Dinge, die die Situation verbessern können“ – so sollten Organisatoren darauf achten, dass ihr Versammlungsraum in einer sicheren Nachbarschaft und auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Auch sollten Hacker der Versuchung widerstehen, weiblichen Besuchern kurzerhand das Keyboard wegzunehmen, wenn sie etwas erklären wollten.

Während die Diskussion im Saal gesittet ablief, nahm die Auseinandersetzung zum Thema Geschlechtergerechtigkeit hitzigere Ausmaße an. Kleine Anpassungen zeigen sich aber schnell: Im Hackcenter wurde das ASCII-Art-Bild einer nackten Frau durch ein männliches Pendant ersetzt. (odi)

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