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SSDs sind oft robuster als versprochen

Experimente bestätigen, dass gängige Solid-State Disks für Desktop-Rechner und Notebooks viel mehr Schreibzyklen vertragen als im Datenblatt zugesichert.

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Samsung SSD 840 offen

Der vergleichsweise jungen SSD-Technik stehen manche PC-Besitzer skeptisch gegenüber. Einige argumentieren mit falsch verstandenen Angaben zur Lebensdauer der NAND-Flash-Speicherchips, deren jüngste MLC- und TLC-Versionen nur noch wenige tausend Schreib-Lösch-Zyklen pro Zelle vertragen. Doch alle SSD-Controller verteilen Schreibzugriffe mit Wear-Leveling-Algorithmen auf die Abermilliarden bereitstehenden Speicherzellen, außerdem korrigieren ausgefeilte ECC-Verfahren eventuelle Fehler. Fest steht aber auch: Irgendwann fällt jede SSD aus.

Experimente der Webseite The Tech Report mit SSDs von Corsair, Intel, Kingston und Samsung bestätigen weitgehend, was die c't schon in Ausgabe 3/2012 nach eigenen Tests schrieb: Auch ganz gewöhnliche "Client"-SSDs vertragen viel mehr Schreibzugriffe, als die Hersteller in ihren jeweiligen Datenblättern zusichern. Sequenzielle Schreibzugriffe sind ohnehin ziemlich unkritisch, denn bei Datentransferraten von über 300 MByte/s wäre eine 240-GByte-SSD nach 13 Minuten voll. Es ist kaum ein sinnvoller Einsatzzweck denkbar, bei dem man ständig sämtliche Daten auf einer SSD sequenziell überschreibt.

Intel SSD 330

The Tech Report hat in monatelangen Test SSDs mit Datenmengen zwischen 700 TByte und 1 PByte beschrieben und einige Ausfälle zu vermelden. Alle ereigneten sich allerdings weit jenseits der jeweiligen Spezifikationsangabe. Dabei stellten die SSDs ihren Betrieb jedoch in einer unangenehmeren Form ein, als theoretisch zu erwarten wäre: Wenn sich NAND-Flashes nicht mehr löschen und neu beschreiben lassen, sollten andere Datenblöcke aber lesbar bleiben. Doch die SSDs von Intel (335) und Kingston (Hyper-X) rückten auch keine Daten mehr heraus, nachdem ihr interner Media Wear Indicator (MWI) die Verschleißgrenze überschritten hatte. Lange vorher hatten die SSDs aber über SMART-Warnungen auf ihr allmähliches Ableben aufmerksam gemacht. Eine Samsung 840 vertrug zwar noch mehr geschriebene Daten, versagte dann aber komplett und ohne Vorwarnung. The Tech Report schrieb bei dem Dauertest nicht auf zufällig verteilte Adressen und ließ 10 GByte an Daten stets unverändert. Das sollte näher an eine typische Nutzung unter Windows herankommen.

Die Experimente von The Tech Report illustrieren ein grundsätzliches Problem solcher Praxistests: Sie dauern manchmal so lange, dass die geprüften SSDs nicht mehr im Handel erhältlich sind. Und in jüngeren Produkten kommen dann wiederum NAND-Flash-Chips einer anderen Generation sowie andere Controller mit möglicherweise anderen Algorithmen zum Einsatz. Die gute Botschaft lautet jedoch: Die SSD-Hersteller haben die Technik ganz gut im Griff. Das bedeutet aber nicht, dass keine Kompatibilitätsprobleme auftreten können oder die Elektronik aus ganz anderen Gründen komplett ausfällt. Daher behält der berühmte Merksatz seine Bedeutung: Daten, von denen kein Backup existiert, sind unwichtige Daten.

Die Angaben der Hersteller zur Robustheit ihrer SSDs beziehen sich für gewöhnlich auf das Schreiben zufällig verteilter Daten. Üblich sind Werte in der "Einheit" Terabytes Written (TBW) oder Petabytes Written (PBW). Bei vielen SSDs hängen die Angaben von der Kapazität ab – je mehr Daten die NAND-Flashes speichern können, desto mehr Zellen können auch die Wear-Leveling-Algorithmen nutzen. Typische Werte für Client-SSDs sind 35 TBW oder mehr; dann könnte man über einen (Garantie-)Zeitraum von knapp fünf Jahren täglich 20 GByte an Daten schreiben. Übliche Windows-, Linux- und MacOS-Rechner schreiben viel weniger, selbst wenn man die Sparfunktion Suspend-to-Disk (Ruhezustand/Hibernation) und eine Auslagerungsdatei nutzt. Schreiben kommt in Client-Systemen überhaupt sehr viel seltener vor als Lesen, Microsoft hat vor einigen Jahren für die Auslagerungsdatei pagefile.sys das Verhältnis 40-zu-1 geschätzt. (ciw)

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