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SUPL-Standard soll Handy-Ortung voranbringen

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Präzise Angaben über die geografische Position eines Handybenutzers erscheinen für eine Reihe von Anwendungen interessant. So stehen die Notrufzentralen der Rettungsdienste häufig vor dem Problem, dass Anrufer, die sich in einer Notsituation befinden, nur unzureichende Angaben über ihren Aufenthaltsort machen können und wertvolle Zeit bei der Suche nach dem Anrufer verstreicht. Darüber hinaus setzen Mobilfunkanbieter und weitere Dienstleister auf weniger lebenswichtige Location Based Services (LBS): Nach der Werbung für die nächstgelegene Tankstelle oder Fast-Food-Krippe entwickelten sie Informationsangebote mit höherem Nutzwert -- zum Beispiel die GPS-gestützte Wegbegleitung auf der diesjährigen Münchner Bundesgartenschau.

Während sich LBS als zu ungenau herausgestellt haben, da sie ausschließlich die Position der Mobilfunkzelle kennen, in der ein Nutzer eingebucht ist, erweisen sich GPS-Empfänger in Mobilfunkgeräten als Engergiefresser. Zudem benötigt auch ein GPS-fähiges Handy mit schlechter Sichtverbindung zu den GPS-Satelliten -- etwa in Häuserschluchten oder gar innerhalb von Gebäuden -- einige Zeit, um seine Position ermitteln zu können. Einen Ausweg versprechen Assisted Global Positioning Systems (A-GPS). Ein A-GPS-fähiges Endgerät bekommt über das Mobilfunknetz ergänzende Daten zu Umlaufbahn, Frequenzen und Verfügbarkeit der Satelliten, um auch schwächere Satellitensignale sekundenschnell erkennen und auswerten zu können.

A-GPS-Lösungen basierten bisher auf der so genannten Control-Plane-Architektur gemäß des Location-Services-Standards des 3rd Generation Partnership Project (3GPP). Control-Plane erfordert dabei umfassende Anpassungen der Netzinfrastruktur. Um A-GPS-Dienste mit geringerem technischen wie finanziellen Aufwand ermöglichen zu können, arbeitet die Open Mobile Alliance (OMA) am Secure User Plane Location (SUPL) gennanten Standard für A-GPS: Nach Angaben des OMA-Sponsors Siemens soll SUPL im Juni 2005 freigegeben werden. Laut Siemens könnten Mobilnetzbetreiber, die bislang die Investionsrisiken für LBS gescheut hätten, dank SUPL in diesen Markt einsteigen.

"User Plane" bezeichnet ein A-GPS-System, bei dem die Kommunikation zwischen Server und Endgerät über eine im Mobilfunknetz vorhandene Datenverbindung, zum Beispiel GPRS, erfolgt. Für die Integration einer User-Plane-Lösung werden die bereits im Funk- und Vermittlungsnetz existierenden Protokolle und Schnittstellen benutzt. Bei A-GPS auf Control-Plane-Basis kommunizieren Server und Endgeräte hingegen über Signalisierungskanäle (SS7) im Funk- und Vermittlungsnetz. Dafür müssen im gesamten Netzwerk die entsprechenden Schnittstellen und Protokolle bereitgestellt werden. Nach Einschätzung von Hewlett-Packard (HP) sind Control-Plane-Lösungen zwar leistungsfähiger als der SUPL-Ansatz, doch könne der höhere Aufwand zum "overkill" kommerzieller Location-Based-Services führen. HP hat die Vor- und Nachteile der beiden A-GPS-Ansätze in einem PDF-Dokument zusammengefasst.

Derzeit überprüft Siemens die Interoperabilität seiner Lösung zusammen mit den A-GPS-Chipset-Anbietern Global Locate und SiRF Technology Holdings sowie den Endgeräteherstellern Compal Communication (CCI) und HP. Laut Siemens ist die Aufrüstung von der User-Plane- auf die Control-Plane-Architektur jederzeit möglich, vorhandene Netzkomponenten könnten weiterverwendet werden. So seien Betreiber in der Lage, A-GPS mit Hilfe der kostengünstigeren SUPL-Infrastruktur im Markt einführen und sie später kosteneffizient auf Control Plane migrieren zu können. Seit Januar testen Siemens und die dortige T-Mobile-Tochter in Tschechien die Ortung von Handys auf SUPL-Basis. (ssu)