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Telepolis

Säuberung von Jugendsünden aus der Online-Geschichte

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Besonders Jugendliche und junge Menschen nutzen gerne die zahlreichen Möglichkeiten im Web, um Kontakte zu knüpfen und sich vorzustellen. Dabei wird auch schon mal übertrieben, man begibt sich womöglich auch in obskure Zusammenhänge, äußert Provokantes oder gibt etwas Peinliches preis. Das kann später unangenehm werden, wenn man beispielsweise auf Jobsuche ist, da die Verfehlungen der Jugend womöglich über Suchmaschinen oder in Archiven erhalten bleiben und von jedermann gefunden werden können.

Die Vergangenheit im Internet zu reinigen, kann, wenn es denn überhaupt möglich ist, zu einem schwierigen und mühsamen Unterfangen werden. Dass dies in der Zeit der Blogs und von sozialen Netzwerken wie MySpace, Facebook, Xanga oder Flickr, in denen immer mehr Menschen immer mehr Persönliches in der Suche nach Aufmerksamkeit im Web preisgeben, zu einem drängenden Problem werden kann, hat die amerikanische Start-up-Firma namens ReputationDefender auf den Plan gerufen. Sie bietet gegen eine Gebühr von 30 US-Dollar pro Fall die Beseitigung unangenehmer Altlasten an – sofern dies überhaupt möglich ist, denn die Betreiber von Websites müssen dies, wenn es sich nicht um Beleidigung, üble Nachrede oder Ähnliches handelt, keineswegs machen. Versucht wird auch, Äußerungen, Gerüchte oder Diffamierendes, das von anderen stammt, durch Anfragen bei den Hostern zu löschen. Um ganz sicher zu gehen, eine weiße Online-Weste zu behalten, kann man die Firma beauftragen, einen monatlichen Bericht über die jeweiligen Online-Identitäten zu erstellen.

Zunächst wollten die Gründer von ReputationDefender Eltern helfen, gewissermaßen hinter ihren Kindern aufzuräumen, damit diese nicht für Fehler, die sie unbedacht begangen haben, später leiden müssen und von ihren Online-Fehlern aus jungen Jahren verfolgt werden. Gleichzeitig ist die Kontrolle der Online-Aktivitäten der Kinder aber auch ein Versuch, diesen hinterherzuspionieren. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass auch die Bereinigung der Online-Geschichte von Erwachsenen ein lukratives Geschäft werden könnte.

Die Firmengründer haben auch schon eine neue Aufgabe im Visier. Sie wollen nicht nur das Online-Ansehen von Erwachsenen oder die Fehler von Kindern bereinigen. Darüber hinaus starten sie einen neuen Dienst unter dem Stichwort MyPrivacy: Damit sollen persönliche Daten von Kunden wie Sozialversicherungs-, Telefon- oder Führerscheinnummern beziehungsweise Daten wie Adresse, Einkommen, Familienstand et cetera, die im Web zirkulieren, aufgefunden und womöglich korrigiert oder gelöscht werden.

Michael Fertik, Mitbegründer von ReputationDefender, erklärt gegenüber dem Magazin Wired, dass man bei allem die Meinungs- und Pressefreiheit achten werde. Für die Contentprovider könnte durch solche Dienstleister allerdings mehr Arbeit entstehen. Zudem ist zu vermuten, dass gerne einmal Inhalte entfernt werden, wenn Provider oder Online-Anbieter Angst vor Klagen haben. (fr)