Safer Internet Day 2020: "Idole im Netz. Influencer & Meinungsmacht"

Jährlich findet im Februar der Safer Internet Day statt: Dieses Jahr gibt es Aktionen und Veranstaltungen zum Thema Influencer.

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Zack, wieder ist eine Stunde rum, die man bei Instagram verbracht hat. Tipps für eine gesunde Ernährung, seltsam Aufmerksamkeit bannende Videos mit knetbarem Glitzerschleim, Markenklamotten und nahezu unweigerlich tauchen auch skurrile Fotos von Influencern auf, die mal ihren neuen Luxusfön am Strand präsentieren oder ein Waschmittel beim Picknick im Park dabeihaben. Doch was passiert eigentlich, wenn besonders Jugendliche zum wiederholten und wiederholten Male die gleiche Uhr sehen, weil ein Unternehmen sie zahlreich verschickt und den Trägern gutes Geld dafür bezahlt? Der diesjährige Safer Internet Day (SID) widmet sich genau diesem Thema: "Idole im Netz. Influencer & Meinungsmacht".

Seit 1999 ruft die Initiative der Europäischen Kommission weltweit dazu auf, am zweiten Dienstag im Februar den SID zu begehen. In Deutschland setzt Klicksafe den Influencer-Schwerpunkt und listet auf der Webseite der Organisation die dazugehörigen Aktionen und Veranstaltungen auf. Daran beteiligen sich wiederum etwa Schulen, Polizeipräsidien, Radiosender und Jugendgruppen. Die Macher rufen dazu auf, drumherum Beiträge zu veröffentlichen, die mit dem Hashtag "checkwemdufolgst" versehen werden.

Übersicht, wie Influencer ihr Geld verdienen.

(Bild: handysektor / klicksave)

Angesprochen sollen nicht nur Kinder werden. Klicksafe hält Materialien für Lehrer und Eltern bereit, sich gemeinsam mit den jüngeren Nutzern dem Thema zu nähern. Es gibt zum Beispiel eine Grafik, die erklärt, wie Influencer eigentlich Geld verdienen. Da wird dann schnell klar, dass die schicke Uhr nicht unbedingt dauerhaft am Handgelenk des Lieblings sitzt, sondern vielleicht nur für das Foto oder Video angelegt wurde. Zusätzliche Aufklärung gibt es unter dem Stichwort: Kommerzialisierung auf der Plattform YouTube.

Vergangenes Jahr lautete das Motto des SID in Deutschland #lauteralshass. Fast 80 Prozent der Internetnutzer sah sich 2018 einer Umfrage zufolge bereits mit Hasskommentaren konfrontiert, 2017 waren es noch elf Prozent weniger. Die Auswirkungen von Influencer-Marketing auf Kinder und Jugendliche sind noch deutlich schwerer wissenschaftlich zu fassen als eine solche Abfrage. Mehrere neue Studien halten die negativen Effekte digitaler Technik für weniger schlimm als zunächst seitens der Forschung angenommen, sie kritisieren aber vor allem, dass die dazugehörigen Studien sehr ungenau sind. Bei ihnen bleibt zu oft unklar, was als Technik gilt, welche gesundheitlichen Auswirkungen auf was genau zurückzuführen sind – oder auch nicht.

Klar ist: Einige App-Entwickler, besonders bei sozialen Medien, benutzen allerdings auch zahlreiche Psycho-Tricks, um Nutzer quasi süchtig zu machen. Der Erfinder des sogenannten Infinity-Scrolls, also des nicht endenden Ladens neuer Bilder bei Instagram, geißelt sich inzwischen selbst für die Einführung. Vielleicht saß auch er zu lange am Smartphone. Und vielleicht hat auch er am Ende die Uhr gekauft. (emw)