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Safer Internet Day: Datenschutz bei Big Data

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Verbraucher- und Datenschützer drängen bei der als Big-Data bezeichneten Auswertung riesiger Datenmengen auf bessere Verfahren zu Sicherung der Privatsphäre. Sie fordern ein Opt-in in die Verwendung personenbezogener Informationen oder eine nachvollziehbare Verschleierung der eingebrachten entsprechenden Daten. Nötig sei eine "wirksame, rücknahmefeste Anonymisierung oder Pseudonymisierung", unterstrich der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar auf einer Konferenz zum Thema "Big Data – ­ Goldmine oder Dynamit" im Rahmen des Safer Internet Day am Dienstag in Berlin.

Es dürfe nicht möglich sein, entsprechende Daten wieder einer Person zuzuordnen, führte Schaar aus. Dabei sei zu beachten, dass Big-Data-Anwendungen auch vielfältige Meta- und Inhaltsdaten wie "Fingerabdrücke" von Browsern oder das Nutzungsverhalten von Smartphones mit sich brächten – allesamt potentielle Identifizierungsmöglichkeiten. Einschlägige Dienste müssten daher den Datenschutz von vornherein in die Technik gemäß dem Prinzip " Privacy by Design" einbauen. Sonst könnten Unternehmen ausgefeilte Nutzerprofile erstellen und "auf Basis eines Wissensvorsprungs Macht über uns ausüben". Abhelfen könnten auch Ansprüche auf die Herausgabe kumulierter Datensets an die Nutzer, um die Selbstbestimmung im Zusammenhang mit Big Data zu stärken.

Datenschützer Peter Schaar und Ministerin Ilse Aigner diskutieren Big Data.

(Bild: Stefan Krempl)

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner befand es für an der Zeit, "klare Regeln und Grenzen für die Datennutzung zu definieren". Gerade bei Big Data-Applikationen müsse der Datenschutz schon im Design berücksichtigt und die Selbstbestimmung der Betroffenen gewahrt werden, "indem sie aktiv einwilligen müssen". Dies gilt vor allem, "wenn Nutzerprofile gebildet werden“.

Eine massenhafte Auswertung dürfe es nur bei effektiv anonymisierten Daten geben, betonte die CSU-Politikerin. Es reiche nicht, nur die Namen zu löschen. Bewegungsdaten etwa könnten nämlich leicht auch Personen zugeordnet werden, wenn jemand sich "zum Beispiel am üblichen Aufenthaltsort zur Schlafenszeit orientiert". Aigner forderte, die geplante EU-Datenschutz-Grundverordnung zügig voranzubringen und so die Sicherung der Privatsphäre europaweit auf hohem Niveau festzuschreiben.

Die "großen Potenziale" für Wirtschaft und Gesellschaft von Big Data rückte Dieter Kempf, Präsident der Hightech-Vereinigung Bitkom, in den Vordergrund. Mit der fortschreitenden Digitalisierung in Bereichen wie Energie, Gesundheit oder Verkehr stiegen die Datenmengen noch einmal deutlich an. Diese müssten "sinnvoll" und "kontrolliert" erschlossen werden.

Als Beispiele für Big-Data-Anwendungen nannte Andreas Nold vom Informationsdienstleister SAS unter anderem die Analyse des Erbguts von Pflanzen durch das US-Landwirtschaftsministerium, um möglichst schädlingsresistente Sorten zu generieren. In der Pharmaforschung würden große einschlägige Studien mit sehr vielen Patienten durchgeführt, um "schneller mit einem Arzneimittel an den Markt zu kommen". Die Vereinten Nationen haben SAS laut Nold zudem gebeten, aus den sozialen Medien Anhaltspunkte für aufkommende Arbeitslosigkeit herauszufinden. Tatsächlich sei es per "Text Mining" gelungen, Kriterien zu identifizieren, die dem Verlust einer Erwerbstätigkeit voraus liefen. So erklärten Betroffene etwa, das Automobil weniger zu nutzen oder zu verkaufen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen und den Konsum einzuschränken.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bedauerte in einer Erklärung zum Safer Internet Day, dass der rasante Wandel der digitalen Welt immer wieder für politische Forderungen instrumentalisiert werde, "die das Netz unter Generalverdacht stellen". So heiße es oftmals, dass anonyme Kommunikation gefährlich sei, eine effektive Rechtsdurchsetzung erschwere, Hemmschwellensenke und die Verrohung der Gesellschaft fördere. Auch soziale Netzwerke verlangten aus kommerziellen Interessen eine Klarnamenpflicht. Die FDP-Politikerin forderte im Gegenzug, "die Möglichkeit einer pseudonymen Nutzung von sozialen Netzwerken und Plattformen" weiter zu erhalten. Ferner müsse der User wieder stärker selbst entscheiden können, welche Daten er preisgibt. (axk)