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Safer Internet Day: Die 3-6-9-12-Regel

Gerne wird von der Medienkompetenz geredet, doch wo liegen die Grenzen zur Medienüberflutung, die die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigt?

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Safer Internet Day: Die 3-6-9-12-Regel

(Bild: klicksafe.de / Marcel Kusch)

Zum Safer Internet Day luden Klicksafe.de und die Berliner Fachstelle für Suchtprävention zum "Fachtag digitaler Familienalltag: Mediennutzung und frühe Kindheit" ein. Auf der Tagung präsentierte der Bielefelder Kinder- und Jugendarzt Uwe Büsching die 3-6-9-12-Regel, an die sich Eltern konsequent halten sollen: Absolut kein Bildschirm unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole unter 6 Jahren, kein Internet und Handy/Smartphone unter 9 und kein unbeaufsichtigtes Internet vor 12 Jahren. Dazu kommen strikte zeitliche Nutzungslimits je nach Kindesalter.

Hier verwies Büsching auf die Empfehlungen der Schweizer Jugendberatung: 3-6-Jährige dürfen maximal 30 Minuten in Begleitung Erwachsener an Bildschirmen (TV, Tablet) verbringen, 6-9-Jährige maximal 5 Stunden und 9-12-Jährige maximal 7 Stunden pro Woche. Für Büsching steht fest: erst ab 13-14 Jahren erreichen Heranwachsende die Mündigkeit, Medien selbstbestimmt zu nutzen. Die echte Medienkompetenz kommt noch viel später.

Wer kennt sie nicht, die schönen Floskeln von der Medienkompetenz, die Kinder und Jugendliche als Schlüsselqualifikation benötigen, um an der dynamischen Informationsgesellschaft teilhaben zu können? Sie verdecken schnell den Umstand, dass besonders Kleinkinder und Kinder in der Entwicklung gestört werden, wenn Eltern Smartphone und dem Treiben im Internet mehr Aufmerksamkeit schenken als ihren Kindern.

Solche Vorbilder verstören nachhaltig. Das sind die Ergebnisse der großangelegten BLIKK-Studie des Bundesgesundheitsministeriums (Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz, Kommunikation) aus dem Jahre 2017, bei der mit 5573 Kindern und Jugendliche sowie ihre Eltern befragt wurden. Aus den Ergebnissen dieser Studie hat der Bundesverband der Kinder-und Jugendärzte Empfehlungen zum Bildschirmmediengebrauch abgeleitet, die von den Zuhörenden in Berlin begrüßt wurden.

Das etwas ungewöhnlich Wort vom "Bildschirmmediengebrauch" erklärte Uwe Büsching, Projektleiter der BLIKK-Studie, damit, dass die Studie keine konkrete Wirkungsweise einzelner Medien wie TV, Smartphone oder Internet nachweisen konnte. Dazu sei eine Langzeitstudie erforderlich, für die aber keine Mittel vom Ministerium bewilligt wurden.

Doch auch so sind die Ergebnisse von BLIKK beunruhigend genug. So habe die motorische Hyperaktivität von Kindern dramatisch zugenommen und liege das um 3,5-fache höher als die Angaben in der Fachliteratur. Bei Konzentrationsstörungen liegen sie um das Dreifache, bei Sprachstörungen um das Anderthalbfache höher. Am Ende der Alterskohorte der BLIKK-Studie gaben 16,1 Prozent der 13-16-jährigen an, Probleme damit zu haben, ihre Internet-Nutzung selbstbestimmt zu kontrollieren.

Im Rahmen des Fachtags stellte Claudia Lampert vom Leibniz-Institut für Medienforschung eine ganze Reihe von Hilfen für Eltern und Erziehende vor. Neben dem Angebot des Veranstalters gibt es den Medien-Knigge, der einen Mediennutzungsvertrag anbietet, den Kinder und Eltern abschließen können. Es gibt den Elternguide und den Elternratgeber der Initiative Schau hin! sowie das Internet ABC für Eltern, Lehrkräfte und Kinder. Für einen europaweiten Vergleich ist außerdem EU Kids Online als Anlaufstelle, für die Suchtprävention ist Kompetent Gesund geschaffen worden. Alles Angebote, die Eltern besser für das wappnen sollen, was Büsching das "AADDH-Syndrom" nannte: "Andere dürfen das auch haben." (mre)

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