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Sammelklage gegen Facebook wegen Auswertung privater Nachrichten

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Die beiden Facebook-Mitglieder Matthew Campbell und Michael Hurley haben eine Sammelklage gegen das soziale Netzwerk verfasst, der sich jeder US-Bürger anschließen kann, der schon einmal in einer Facebook-Nachricht einen Link zu einer externen Webseite versendet hat. Nach Auffassung von Campbell und Hurley verstößt das Soziale Netzwerk gegen das US-Datenschutzgesetz Electronic Communications Privacy Act und weitere Datenschutz- und Wettbewerbsgesetze des Staates Kalifornien, wenn es private Nachrichten seiner Nutzer nach Links durchsucht und diese Daten nutzt, um Anwendern gezielt personalisierte Werbung zu präsentieren oder Angebote an Werbepartner zu optimieren. Einen mit einer privaten Nachricht verschickten Web-Link bewerte Facebook der Klageschrift zufolge so ähnlich wie ein öffentlich vergebenes "Like" des Anwenders für eine Webseite.

Dass Facebook mit Links in privaten Nachrichten so verfährt, belegt ein Bericht der Sicherheitsexperten des Genfer Unternehmens High-Tech Bridge vom August 2013, auf den sich Campbell und Hurley berufen. Die Schweizer hatten 50 Dienste im Web – darunter Mail- und Nachrichtendienste sowie soziale Netzwerke – überprüft, indem sie Webseiten mit unbekannten und nicht vorhersagbaren URLs einrichteten und Links zu diesen Seiten in Test-Nachrichten einfügten. Während des zehntägigen Tests zeigte sich, dass sechs der Dienste die Test-URLs aufgerufen hatten: Facebook, Twitter, Google+ und Formspring, außerdem die beiden Kurz-URL-Dienste bit.ly und goo.gl.

Mit ihrer Sammelklage, die sie am 30. Dezember in San Jose einreichten, wollen Matthew Campbell und Michael Hurley vermutlich eine Diskussion über diese Facebook-Praxis anstoßen – dass sie sich tatsächlich bisher darauf verlassen haben, dass das soziale Netzwerk die sogenannten privaten Nachrichten streng vertraulich behandelt, wie es in der Klage heißt, erscheint eher unwahrscheinlich. Sie klagen im Namen aller US-amerikanischen Verwender dieser Facebook-Nachrichtenfunktion und fordern rund 100 US-Dollar für jeden Tag, an dem Facebook in der geschilderten Weise gegen Datenschutz-Richtlinien verstößt – alternativ einmalig 10.000 Dollar für jede Person, die sich an der Sammelklage beteiligt. Immerhin gut 166 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten haben einen Facebook-Account. Das Gericht in Kalifornien muss nun zunächst entscheiden, ob es die Sammelklage zulässt. Facebook hat sich in einer E-Mail zu den Vorwürfen geäußert, diese als unbegründet bezeichnet und angekündigt, sich konsequent dagegen zu wehren.

In den deutschen Nutzungsbedingungen weist Facebook zwar explizit darauf hin, dass beim Versand von Nachrichten Daten gesammelt werden. In welcher Weise speziell die Inhalte privater Nachrichten ausgewertet werden, wird jedoch auch hier nicht genauer erklärt. (dwi)

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