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Samsung Galaxy S9: High-End-Smartphone mit variablen Kamerablenden und AR-Emojis

Samsung gibt sich Mühe, neue Features ins Galaxy S9 zu packen. Die Innovationen sind klein, könnten aber den nächsten Qualitätssprung für Smartphone-Kameras auslösen und die Geräte auch für die Dunkelheit rüsten. Wir haben das S9 ausprobiert.

Samsung Galaxy S9: High-End-Smartphone mit variablen Blenden und AR Emojis

Samsung konzentriert sich beim neuen Spitzen-Smartphone Galaxy S9 auf die Verbesserung der Kameras, vor allem bei schlechtem Licht. Bei gutem Licht schießen Smartphone-Kameras zwar Fotos, die kaum noch von denen von Systemkameras zu unterscheiden sind. Aber sollen sie in der Dämmerung oder Dunkelheit etwas ablichten, hängen sie jeder ernstzunehmenden Kamera meilenweit hinterher.

Die neuen Topmodelle Samsung Galaxy S9 und S9+ sollen dieses Problem lösen, indem sie bis zu zwölf verschiedene Aufnahmen vom selben Motiv zu einem Bild zusammenrechnen. Dadurch soll das Bild- und Farbrauschen deutlich reduziert werden. Die Fotos werden darauf untersucht, welche Bildpunkte jeweils rauschen, welche Sensorpixel also eine Fehlschaltung hatten. Hat eine andere Aufnahme den Pixel korrekt erfasst, wird dieser Pixel für das fertige Bild verwendet. Dadurch soll bei unter 1 Lux Beleuchtung 30 Prozent weniger Rauschen entstehen als beim Vorgängermodell S8.

Weitere Innovation sind die verstellbaren Blenden der beiden S9-Modelle. Bislang waren Smartphone-Kameras mit einer fixen Blende ausgestattet, Galaxy S9 und S9+ fotografieren nun entweder mit einer Blende von F1.5 oder F2.4 – ganz frei einstellbar ist die Blende also nicht. In den Standardeinstellungen wählt die Kamera-Software selbständig den passenderen Wert, der Nutzer kann aber auch manuell eingreifen.

Die Blende von F1.5 eignet sich dabei besser für dunkle Szenen und nimmt mehr Licht auf; F2.4 sorgt für eine größere Schärfentiefe, benötigt aber mehr Licht. Allzu dramatische Unterschiede sollte man sich von den knapp anderthalb Blendenstufen bei der Schärfentiefe allerdings nicht erhoffen; die maximale Offenblende wächst im Vergleich zum S8 sogar nur von F1.7 auf F1.5, was einen nur kleinen Fortschritt bedeutet.

Videos lassen sich in sogenannter Super-Slow-Mo drehen. Dabei erfasst der Fotosensor 960 Bilder pro Sekunde und zeichnet somit auch sehr schnelle Bewegungen erkennbar auf. Offensichtlich handelt es sich um einen Sony-Sensor, denn die technischen Werten stimmen beispielsweise mit denen des Sony Xperia XZ1 überein: Superzeitlupenvideos kann man entweder separat drehen oder innerhalb eines normalen Videos mit 30 fps auslösen. Die Auflösung ist auf 720p begrenzt. Erfasst werden nur 0,2 Sekunden Echtzeit, die im fertigen Video auf rund 6 Sekunden gedehnt werden. Um die Bilder schnell genug zu speichern, hat der Bildsensor eigenen DRAM-Speicher eingebaut. Der RAM oder Flash-Speicher des Smartphones arbeite dafür zu langsam. Die Superzeitlupe lässt sich alle 3 Sekunden und bis zu 20-mal in einem Video einsetzen.

Einen Unterschied zu den Sony-Geräten findet sich dann allerdings doch: Beim S9 und S9+ lässt sich Zeitlupe auch automatisch innerhalb eines Videos starten. Findet eine Bewegung in einem im Sucherbild festgelegten Bereich statt, kann die Kamera automatisch den Superzeitlupenmodus starten. Dieser Bereich wird als Kasten im Sucherbild dargestellt und kann per Touchscreen verschoben werden. Das macht die Zeitlupenfunktion weit praktikabler als in den Sony-Telefonen, da man nicht mehr darauf hoffen muss, genau im richtigen Moment den Auslöser zu drücken.

Das rund 100 Euro teurere Galaxy S9+ verfügt über eine zweite Kamera, die wie das Galaxy Note 8 ein Tele-Objektiv mit etwa zweifacher Vergrößerung hat; die Blende steht fix bei F2.4. Das S9 muss mit einer Hauptkamera auskommen. [Update] In einer früheren Textfassung hieß es, dass auch die Zoomkamera eine flexible Blende hat. [/Update]

Weitere Unterschiede zwischen S9 und S9+ findet man bei der Display-Größe (5,8 Zoll und 6,2), der RAM-Ausstattung (4 GByte und 6) und beim Akku (3000 mAh und 3500 mAh). Die übrige Hardware ist identisch.

Das Samsung Galaxy S9 im heise-online-Hands-on

An den 5,8 Zoll und 6,2 großen Displays hat sich im Vergleich zu den Vorgängern S8/S8+ nichts geändert. Sie haben eine Auflösung von 2960 × 1440 sind an den Flanken nach hinten gebogen. Die AMOLED-Technik stellt Farben und Kontraste extrem gut dar und leuchtet mit weit über 600 cd/m². Dank des Seitenverhältnisses von 18,5:9 können die Bildschirme die virtuellen Android-Tasten am unteren Displayrand darstellen und gleichzeitig 16:9-Inhalte zeigen.

Mit den AR-Emojis versucht Samsung Apples Animojis etwas entgegenzusetzen: Mit Hilfe der Frontkamera scannt man seinen eigenen Kopf und Geischt ein. Daraus generiert das S9 einen 3D-Avatar, der halbwegs dem eigenen Aussehen entspricht und den man nach Belieben mit Accessoires und Kleidung konfigurieren kann. Der Avatar folgt den Gesichtsausdrücken und Kopfbewegungen des Nutzers. Auf diese Weise kann man kurze animierte GIFs erstellen und nach belieben verschicken. Außerdem gibt es 18 vorgegebene Emojis, für die dann der erstellte Avatar verwendet wird.

Im Kurztest stellten sich die AR-Emojis als netter Gag heraus, der bei Freunden sicherlich für einige Lacher sorgt. Im Vergleich zu Apples Animojis erfasste die Technik die Gesichtszüge aber nicht allzu präzise und konzentrierte sich hauptsächlich auf die Mundpartie.

Zusammen mit dem S9 gibt es eine neue DeX-Station, mit der das Smartphone mehr oder minder zum Desktop-Rechner wird: Statt wie beim ersten DeX hochkant steckt man das S9 nun horizontal ins Dock und verbindet Bildschirm, Maus, Tastatur und Netzteil. An Anschlüssen sind ein HDMI-Ausgang, zwei USB-A-Buchsen und ein Typ-C-Anschluss zum Laden vorhanden.

Das S9 läuft dann in einem speziellen Desktop-Modus und zeigt eine Windows-ähnliche Bedienoberfläche mit Taskleiste, Startmenü, Desktop-Verknüpfungen und Programmfenstern, die sich in Position und größtenteils auch in ihrer Größe verändern lassen. Prinzipiell laufen alle Android-Apps im DeX-Modus, unangepasste aber nur in einem Hochkantfenster.

Während der Vorgänger nur Full-HD-Auflösung ausgab, unterstütz die neue Version zusätzlich 2560 × 1440 Pixel und 1600 × 900. Das Smartphone-Display schaltet sich zwar ab, der Touchscreen bleibt aber aktiv, sodass man es als Touchpad nutzen kann. Weiterhin läuft in der Dockingstation ein Lüfter zur Kühlung, allerdings ist er so leise, dass wir ihn in belebter Umgebung nicht wahrnahmen.

Samsungs hauseigene Assistenten-Software Bixby hat indessen nicht viel dazugelernt und hält weiterhin nicht ansatzweise mit Google Assistant mit. Deutsche Sprache versteht die App immer noch nicht. Auf Fotos erkennt Bixby Essen und kann beispielsweise angeben, wie viel Kalorien sich ungefähr auf dem Teller befinden. Text auf Fotos wird auf Wunsch übersetzt, und falls Bixby einen bestimmten Ort oder eine Sehenswürdigkeit erkennt, liefert der Assistent Informationen dazu.

Vorbestellt werden, können die Smartphones ab sofort; ausgeliefert werden sie ab 16. März in den drei Farben Schwarz, Blau und Lila. Erstere beiden ähnelten sich im Hands-on und waren bei schummriger Beleuchtung schwer auseinanderzuhalten. Für 850 Euro bekommt man das S9 mit 64 GByte, das größere S9+ kostet 100 Euro mehr. Für die 256-GByte-Version verlangt Samsung ebenfalls jeweils 100 Euro mehr.

Außerdem wird es wie beim S8 und Note 8 eine Dual-SIM-Variante geben, die voraussichtlich nur bei Samsung direkt verkauft wird. Der Preis steht noch nicht fest. Es wird sich allerdings um einen sogenannten Hybrid-SIM-Slot handeln. Außer der primären SIM-Karte passt also entweder eine zweite SIM-Karte oder eine Speicherkarte in die Schublade.

Einen Klinkenanschluss für Kopfhörer haben übrigens beide Smartphones.

Modell Samsung Galaxy S9 Samsung Galaxy S9+
Android-Version 8.0
Display 5,8" AMOLED 18,5:9 6,2" AMOLED 18,5:9
Display-Auflösung 2960 x 1440
Hauptkameras 12 MP AF (F1.5 / F2.4) Weitwinkel: 12 MP AF (F1.5 / F2.4) / Tele: 12 MP AF (F2.4)
Frontkamera 8 MP AF (F1.7)
Prozessor Exynos 9 Octa (4 x 1,7 GHz + 4 x 2,7 GHz)
RAM 4 GByte 6 GByte
Flash-Speicher 64 GByte / 256 GByte + MicroSDXC (bis zu 400 GByte)
Akku 3000 mAh 3500 mAh
USB-Anschluss Typ-C
Kabelloses Laden Qi
LTE Cat. 18
WLAN 802.11 a/b/g/n/ac MU-MIMO
Bluetooth 5.0
Standortbestimmung GPS, Glonass, Beidou, Galileo
Maße 14,8 cm x 6,9 cm x 0,9 cm 15,8 cm x 7,4 cm x 0,9 cm
Größe 163 g 189 g
Schutzklasse IP68
Vorverkauf /
Erscheinungsdatum
25. Februar 19 Uhr / 16. März
Preis 850 € (64 GByte) / 950 € (256 GByte) 950 € (64 GByte) / 1050 € (256 GByte)

(hcz)

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