Menü

Samsung und LG dominieren bei OLEDs, Apple leidet

Samsung ist unangefochten Marktführer bei kleinen OLEDs für Smartphones, LG liefert als einziger Hersteller große OLEDs für Smart-TVs. Die Dominanz der beiden hat Folgen für viele Gerätehersteller − auch für Apple.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 60 Beiträge
Samsung und LG dominieren bei den OLEDs, Apple leidet

Samsung beherrscht seit einigen Jahren den Markt für organischen Displays in Mobilgeräten. Und obgleich inzwischen etliche chinesische Hersteller in neue OLED-Fabs für Mobildisplays investieren, wird es auf absehbare Zeit keinen Panel-Hersteller geben, der Samsung in diesem Bereich das Wasser reichen könnte.

Der zweite große koreanische Panelhersteller, LG Display, konzentriert sich dagegen seit geraumer Zeit auf große OLEDs für Fernseher – ein Bereich, aus dem sich Samsung zugunsten von LCDs mit Quantenpunkten verabschiedet hat. Entsprechend dominiert LG den Markt für große organische TV-Panels und hat hier ebenfalls andere Panelproduzenten für Jahre abgehängt.

Die Herrschaft der beiden großen koreanischen Panelproduzenten hat Folgen. So steckt heute in jedem OLED-Fernseher ein Panel von LG. Zugleich nutzen Smartphones mit organischem Display fast ausschließlich Panels von Samsung (hier gibt es eine kleine, sehr überschaubare Menge Panels anderer Hersteller, vor allem von LG und für Smartphone-Märkte außerhalb Europas).

Samsungs beherrschende Stellung ist ein wesentlicher Grund, warum es bislang kein iPhone mit OLED-Display gibt: Apple will sich nicht komplett von Samsung – seinem direkten Konkurrenten im Endgerätemarkt – abhängig machen. Außerdem achten Gerätehersteller wie Apple stets auf eine Second Source, also einen Hersteller, der als alternativer Zulieferer für die Komponenten im iPhone bereitsteht.

Dieses Jahr deckt Samsung gerade so den weltweiten Bedarf an OLED-Panels ab – für zusätzliche iPhones mit OLED-Schirm fehlen die Kapazitäten.

(Bild: IHS)

Ohnehin produziert Samsung aktuell zu wenig organische Panels, um den Bedarf aller befrieden zu können. Display-Experten wie Paul Semenza rechnen deshalb erst fürs kommende Jahr mit organischen Displays im iPhone. Zwar habe Apple in diesem Jahr bereits OLED-Panels von Samsung geordert, ausgeliefert und eingebaut würden sie aber erst 2018, erklärte der Marktforscher gegenüber heise online auf der in Los Angeles stattfindenden DisplayWeek.

Und sogar dann sprechen drei Gründe gegen OLED-Displays in sämtlichen iPhones: Zum einen bleibt Samsung auf absehbare Zeit der einziger Hersteller größerer Stückzahlen – die anderen Produzenten hängen Jahre hinterher. Außerdem werden Samsungs Fertigungskapazitäten auch im kommenden Jahr kaum ausreichen für OLED-Panels in den eigenen Smartphones wie dem Galaxy S8 und für OLEDs in iPhones; zusätzlich muss Samsung weitere Smartphone-Hersteller mit Panels beliefern: Apple bräuchte etwa 200 Millionen OLED-Panels und Samsung rund 250 Millionen für die eigenen Smartphones. Chinesische Smartphone-Hersteller bestellten bereits 2016 über 200 Millionen Panels – Tendenz steigend. Da müsste Samsung bei seiner restlichen Kundschaft ordentlich knapsen, wenn sämtliche iPhones ein OLED erhielten. Oder die Produtkionskapazitäten drastisch ausbauen, was erst 2018 ansteht.

Apple selbst hat sich in der Vergangenheit durchaus bemüht, die Engpässe abzubauen. So hat das Unternehmen bereits vor einiger Zeit in Sharp und Japan Display als potenzielle Second Source investiert, beide Hersteller sind bislang an der geforderten Qualität beziehungsweise Stückzahl gescheitert. Zusätzlich investierte Apple in LG Displays, die ja bereits Erfahrungen mit der Entwicklung und Produktion von OLEDs gesammelt haben. LG könnte hier einige OLEDs zuliefern, doch von jetzt auf gleich werden aber auch in der geplanten neuen Fertigungsstraße keine riesigen Stückzahlen vom Band laufen.

Angesichts dieser angespannten Versorgungslage wird Apple wohl auch 2018 nicht sämtliche neuen iPhones mit OLED-Display ausstatten. Stattdessen könnte es ein spezielles Modell geben – etwa ein iPhone 8+ –, das in begrenzten Stückzahlen zu höheren Preisen angeboten wird. Ob sich Apple einen Gefallen damit tut, sein Premium-iPhone mit einem Premium-Display seines ärgsten Konkurrenten auszustatten, sei dahingestellt. Alternativen gibt es derzeit keine. (uk)

Anzeige
Anzeige