Menü
CES

Samsung will ein neues dynamisches HDR-Format

Samsung plant ein eigenes dynamisches HDR-Format, das in Konkurrenz zu Dolby Vision tritt. Der koreanische Unterhaltungsriese will dafür Streamingdienste und Halbleiterhersteller ins Boot holen. Ganz problemlos wird die Einführung aber wohl nicht.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 56 Beiträge
Von

In HDR-10, dem bisher meist und auf Ultra HD Blu-ray ausschließlich genutzten HDR-Verfahren (High Dynamic Range) für Videobilder, werden die Eckdaten für Kontrast, Helligkeit und Gamma nur einmal für den gesamten Film festgelegt. Das ist nicht optimal. Besser sind dynamische Verfahren, die pro Szene oder gar Bild für Bild definieren, was der vom Studio gewünschte Bildeindruck war. Bislang setzt nur Dolby mit Dolby Vision auf ein solches dynamisches HDR-Verfahren.

Doch Samsung verweigert sich dem gegenüber HDR-10 besseren Dolby-Ansatz. Der Grund: Dolby macht den TV-Herstellern bei Dolby Vision sehr genaue Vorgaben – und verlangt zudem Lizenzgebühren. Diese Abhängigkeit schmeckt dem koreanischen Unternehmen offenbar nicht.

Mit seinem "Tone Mastering System" will Samsung deshalb eigene Standards setzen. So will der Displayspezialist Coloristen ein Tool zur Erzeugung der dynamischen Metadaten per SDK frei zugänglich machen. Die Metadaten sollen im ersten Schritt von Streamingdiensten genutzt werden. Samsung ist nach eigenen Angaben im Gespräch mit Amazon über den Einsatz der dynamischen Metadaten in Videos – mit der Macht der beiden Unternehmen könnte sich ein weiteres dynamisches HDR-Format vielleicht in den Markt drücken lassen.

Außerdem verhandelt Samsung nach eigenen Angaben mit zehn Halbleiterherstellern, damit diese die nötige Hardware für das dynamische HDR in ihren ICs vorsehen. Darüber könnten dann künftig außer Samsung-Geräte auch viele TVs anderer Hersteller die notwendige Hardware bereits eingebaut haben. Der jeweilige Hersteller müsste die Funktion nur noch per Firmware freischalten.

Das Grundkonzept von Dolby Vision und Samsung für die Speicherung der Daten auf Ultra HD Blu-ray ist identisch: Die HDR-10-Variante des Films bildet die Basis, darüber befindet sich eine zweite Schicht mit den dynamischen Metadaten.

Allerdings spezifizierte die zuständige Blu-ray Disc Association (BDA) für die Ultra HD Blu-ray laut Dolby bislang lediglich Dolby Vision als optionales HDR-Format. Diese Aussage bestätigte Samsung auf Nachfrage – gab aber an, bei der BDA hinsichtlich einer Erweiterung der Spezifikation vorstellig zu werden.

Samsungs auf der Messe präsentierten neuen TV-Modelle unterstützen das dynamische HDR-Format bereits, ebenso der neue UHD-Blu-ray-Player des Unternehmens. Unklar ist bislang jedoch, wie die dynamischen Metadaten übertragen werden: Das aktuelle HDMI 2.0b beherrscht dies noch nicht, sondern erst die gerade angekündigte Fassung 2.1.

Ob die neuen Samsung-Geräte bereits die nötige HDMI-2.1-Funktion unterstützen, ließ sich auf der CES nicht klären. Denkbar ist auch, dass der Player die Daten auch im Videodatenstrom versteckt zum TV übertragen kann – eine Variante, die Dolby Vision bereits nutzt, um das Format abwärtskompatibel bis zu HDMI 1.4a zu machen.

Sollte Samsung die Daten tatsächlich im Videodatenstrom versteckt, dürften wiederum die gleichen Probleme beim Passthrough durch AV-Receiver auftreten, die es aktuell bei Dolby Vision gibt. Eine richtig schnelle HDR-Lösung scheint hier deshalb nicht in Sicht. (uk) / (nij)

Hinweis: Samsung hat die Autorin zur CES nach Las Vegas eingeladen und die Reisekosten übernommen. (uk)