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Samsungs Region-Lock kastriert wohl doch den Auslandseinsatz

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Benutzerberichten zufolge verhindert der Region Lock des Samsung Note 3 doch, dass man im Urlaub und auf Dienstreisen eine lokale Prepaid-SIM einsetzen kann – entgegen Samsungs Beschwichtigungen vom Freitag. Jedenfalls berichten Anwender beispielsweise auf XDA-Developers, dass ihr in Europa gekauftes Note 3 nicht mit SIMs aus Ägypten, Hong Kong oder Thailand funktionieren. Auch sind dort Aussagen von britischen, französischen, niederländischen und polnischen Samsung-Mitarbeitern wiedergegeben, die der Entwarnung widersprechen. Samsung selber war für eine Stellungnahme noch nicht zu erreichen.

Klar ist bisher nur: Das Galaxy Note 3 wird mit einem in der Firmware verankerten Region Lock ausgeliefert, und zumindest die Modelle Galaxy S3, S4, S4 mini und Note 2 sollen per Update diese Sperre auch bekommen. Ein in Europa gekauftes Gerät muss mit einer europäischen SIM aktiviert werden. Wer diese Erstaktivierung mit einer außereuropäischen SIM durchführen möchte, muss sich an den Samsung-Support wenden.

Unklar ist, ob nach dieser Erstaktivierung SIMs von außereuropäischen Anbietern funktionieren, nämlich die im Urlaub oder auf Dienstreisen praktischen Prepaid-SIMs lokaler Anbieter. Samsung hatte in der ersten Pressemeldung eine unklare Formulierung gewählt, die eher die Interpretation erlaubte, diese ausländischen SIMs würden nicht funktionieren, sondern Anwendern würden im (außereuropäischen) Ausland zum teuren Roaming über ihren deutschen (bzw. europäischen) Provider gezwungen werden. Es folgten eine deutsche Pressemeldung und eine Äußerung auf Facebook der Schweizer Niederlassung, die explizit sagten, dass diese ausländischen SIM-Karten funktionieren würden.

Doch der aktuellen Kenntnislage den Diskussionsforen zufolge stimmt diese Entwarnung nicht: Der Region-Lock von in mehreren europäischen Ländern gekauften Note 3 verhindere den Betrieb von außereuropäischen SIM-Karten, die gleiche Sperre würden bald auch das Galaxy S3, S4, S4 mini und Note 2 erhalten. Eine Liste der gesperrten Ländern kursiert in den Foren (zu finden beispielsweise auf TechStage), auf ihr stehen die meisten afrikanischen, südamerikanischen und asiatischen Länder – zu den wenigen erlaubten Ländern gehören immerhin die USA und Taiwan, gesperrt sind aber beispielsweise Ägypten, Thailand und die Türkei.

In den Foren ist wenig Hoffnungsvolles zu lesen: Vom Region-Lock betroffene Käufer können ihr Gerät über einen russischen Dienst entsperren lassen, wenn sie sich trauen, ihre IMEI samt Paypal- oder Kreditkartenzahlung an eine windige russische Website zu schicken. Alternativ soll man die Sperrtabelle per Rooten ändern können, Details sind aber noch nicht bekannt. Und einige Händler scheinen Geräte ohne Region-Lock zu verkaufen, vielleicht als Grauimport aus Asien, wo hauptsächlich Geräte ohne Lock erhältlich sein sollen. Die an die Redaktionen herausgehenden Testgeräte haben übrigens auch keinen Region-Lock, so dass heise online heute noch keinen Test an hierzulande erhältlichen Seriengeräten durchführen konnte.

Eine SIM-Sperre ist momentan nur bei Smartphones üblich, die man subventioniert vom Mobilfunk-Provider kauft, sie laufen mit gar keiner anderen als der eigenen SIM. Üblicherweise bieten die Provider aber an, das Gerät nach der Vertragslaufzeit von meist zwei Jahren zu entsperren. Dass ein voll bezahltes Gerät aber mit einer SIM-Sperre direkt vom Hersteller kommt, die sich nicht aufheben lässt, wäre neu. Dass ältere, schon gekaufte Geräte, nachträglich per Update kastriert werden, wäre ebenfalls neu. Besonders ärgerlich daran ist, dass der Hersteller den Kunden zum Roaming gerade in den dabei besonders teuren Ländern zwingt.

Unverständlich dabei ist auch, dass Samsung nicht genau sagt, was Sache ist. So lange keine klare Aussage zu bekommen ist, kann derzeit nur vom Kauf von Samsung-Smartphones abgeraten werden, wenn man vorhat, sie außerhalb Europas oder der USA mit lokalen SIM-Karten zu benutzen. (jow)

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