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San Diego verwanzt sich

Tausende Straßenlaternen San Diegos werden im Sommer mit Kameras, Mikrophonen und anderen Sensoren bestückt. Die kalifornische Stadt spricht von der größten digitalen Infrastruktur ihrer Art weltweit.

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Hafenansicht mit Flugzeuträger

San Diego ist der Haupthafen der US-Kriegsmarine im Pazifik

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

San Diego freut sich über die "niedrigste Rate an Gewaltverbrechen seit Jahrzehnten", wie auf der Homepage der an der Grenze zu Mexiko gelegenen US-Stadt nachzulesen ist. Außerdem sahen Bürger deutlich weniger Anlass für Beschwerden gegen Polizeibeamte, seit alle mit am Körper getragenen Kameras versehen wurden. Nun werden im Sommer Tausende Straßenlaternen mit Überwachungstechnik bestückt.

Touristen fotografieren die Statue "Unconditional Surrender" an der Hafenpromenade San Diegos

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Den Zuschlag hat die General-Electric-Tochter GE Current erhalten. Für 30 Millionen US-Dollar wird sie 14.000 Straßenlampen auf vernetzte LED umrüsten, was der Stadt jährlich 2,4 Millionen Dollar sparen soll. Gleichzeitig werden die Laternen zu einem "allwissenden Daten-Überwachungs-Netzwerk" aufgerüstet.

Zunächst werden 3.200 Laternen mit einem "CityIQ" Netzknoten bestückt. In einer spätere Ausbaustufe könnten weitere 3.000 Laternen dazukommen. Ein CityIQ-Knoten enthält Kameras, Mikrophone, und diverse andere Sensoren, etwa um Wetterdaten zu erheben. Intels Internet-of-Things-System extrahiert Daten, AT&T überträgt sie über sein LTE-Netz und Software von Wind River führt dann "intelligente Analysen" durch. Zudem hat die lokale Polizei bereits eine Software besorgt, die im live übertragenen Ton Schüsse erkennt und ortet.

Ein Teil der Daten wird auch öffentlich zu Verfügung gestellt. Dritte sind eingeladen, damit Anwendungen zu gestalten. Einen Partner, der aus den Sensordaten extrahieren möchte, wo es freie Parkplätze gibt, hat San Diego bereits. Die erhobenen Daten werden wohl auch dazu genutzt werden, die Einnahmen aus Parkgebühren zu maximieren. Zudem wäre es keine Überraschung, würden Parkzeitüberschreitungen und andere Regelverletzungen automationsunterstützt geahndet.

Seit August des Vorjahres läuft ein Pilotversuch. Im Dezember beschloss das Stadtparlament dann das 30-Millionen-Projekt. Eine Diskussion über Auswirkungen auf die Privatsphäre ist nicht überliefert. Einem Medienbericht zufolge sollen die Videostreams nicht so hochauflösend sein, wie es mit aktuellen Überwachungskameras möglich wäre. Bei Tausenden gleichzeitigen Livestream-Uploads gelangt offenbar auch ein LTE-Netz an seine Grenzen.

"Wir machen die Zukunft zur Realität in San Diego", meint der stellvertretende Stadtmanager David Graham, "Unsere Stadt ist Heimat für eine unglaubliche Gruppe von Führern, Denkern und Innovatoren, die stolz auf die großen Schritte sein können, die wir Richtung morgen machen."

Überhaupt ist Graham voll des Lobes: "San Diegos Beleuchtungsinfrastruktur einem neuen Zweck zuzuführen, der der Gesellschaft erlaubt, ihre Hände auf Herzschlag und Nervensystem unserer Stadt zu legen, ist unser Weg, einen Smart City App Store zu bauen", wird er von GE Current zitiert. "Wir sind stolz, San Diegos Verpflichtung zur größten digitalen Einrichtung ihrer Art irgendwo auf der Welt bekanntzugeben." (ds)

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