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Satelliten-Internet Starlink: Immer mehr Spuren in astronomischen Aufnahmen

Noch ist nicht mehr als ein Bruchteil der geplanten Starlink-Satelliten im All. Doch die Sorgen von Astronomen scheinen berechtigt.

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Die Starlink-Satelliten und ein Meteorstrom

(Bild: Global Meteor Network)

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Seit SpaceX Anfang November 60 weitere Satelliten für das geplante weltumspannende Internet-Netz Starlink ins All geschossen hat, wird immer deutlicher, welche verheerenden Folgen die Realisierung dieses und ähnlicher Projekte für die erdgestützte Astronomie haben könnte. So haben Forscher nun erneut Aufnahmen veröffentlicht, die zeigen, welche Spuren die Satelliten auf Himmelsaufnahmen bereits hinterlassen – dabei ist nur ein Bruchteil der geplanten Zehntausenden von Satelliten im Orbit. Erste Astronomen beschwören bereits das "Ende bodengestützter Astronomie, wie wir sie kennen".

Allein SpaceX will mit 12.000 Satelliten überall auf dem Globus einen schnellen Internetzugang anbieten und dabei im Vergleich zur klassischen Satelliten-Kommunikation deutlich kürzere Verzögerungszeiten gewährleisten. Ähnliche Pläne mit noch einmal mehr als 3000 Satelliten in niedrigen Orbits hat außerdem Amazon, OneWeb will sein Netzwerk aus 900 Satelliten aufbauen. Angesichts von gegenwärtig gerade einmal rund 2000 aktiven Satelliten und noch einmal 2600 inaktiven, wäre das eine gewaltige Zunahme des Aufkommens künstlicher Objekte im Erdorbit. Abgesehen von der wachsenden Kollisionsgefahr könnte das Astronomen vor erhebliche Probleme stellen.

Eine Aufnahme des Global Meteor Networks: Quer die Meteor-, schräg die Starlink-Spuren

(Bild: Global Meteor Network )

Bereits nach dem Start der ersten 60 Starlink-Satelliten hatte es Mitte des Jahres erste Kritik von Wissenschaftlern gegeben. Die Internationale Astronomische Union (IAU) zeigte sich angesichts der Pläne besorgt und SpaceX-Chef Elon Musk kündigte Änderungen am Design der Satelliten an, um sie besser zu verstecken. Aktuelle Aufnahmen nach dem jüngsten Start wecken aber Zweifel: So hinterließen die Starlink-Satelliten am 18. November deutliche Spuren auf Aufnahmen des aus der Ferne gesteuerten Teleskops Víctor M. Blanco in Chile. Noch auffälliger sind die Streifen, die die Satelliten nun auf Bildern hinterlassen haben, die eigentlich den Meteorstrom der Alpha-Monocerotiden zeigen sollten. Auf einem Video sind sie ebenfalls nicht zu übersehen.

Die Starlink-Satelliten tauchen ungefähr ab 2:12 Minuten auf.

Die Kritik der Astronomen wird damit untermauert: Noch sind nicht einmal ein Prozent der geplanten Satelliten im All und schon müssen Wissenschaftler Aufnahmen wegschmeißen, weil sie unbrauchbar geworden sind, erklärt der Astrophysiker Ethan Siegel bei Forbes. Er fordert ein Start-Moratorium und die Satelliten zu überarbeiten, um sie weniger sichtbar zu machen. Außerdem sei es nötig, in Echtzeit die genauen Flugpositionen und -Routen zu veröffentlichen, damit Astronomen mit ihren Teleskopen ausweichen können. Außerdem sollten die Betreiber solcher Satelliten-Netzwerke Forschung finanzieren, mit denen die Geräte aus Aufnahmen herausgerechnet werden können. So wie auch in anderen Industrien Unternehmen für Schäden an der Umwelt aufkommen müssten.

Eine immer wieder vorgebrachte Forderung, die Astronomie doch einfach ganz ins All zu verlagern, ist derweil keine Option. Weltraumteleskope wie das berühmte Hubble sind viel aufwändiger beziehungsweise aktuell gar nicht zu warten und Instrumente wie das aktuell gebaute Extremely Large Telescope sind viel zu groß, um im Weltall konstruiert zu werden. Bodengestützte Astronomie ist auf diesem Weg nicht zu ersetzen und ein freier Blick auf den Himmel deswegen von fundamentaler Bedeutung. (mho)