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Satellitennavigation: Neue Galileo-Satelliten in falscher Umlaufbahn

Schwere Panne beim Start von zwei neuen Galileo-Satelliten: Die Hightech-Geräte für das globale europäische Navigationssystem kreisen nicht im richtigen Orbit um die Erde. Ob der Fehler behoben werden kann, ist noch unklar.

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Die zwei am Freitag gestarteten Satelliten für das globale europäische Navigationssystem Galileo sind von ihrer Trägerrakete nicht in der richtigen Erdumlaufbahn ausgesetzt worden. Beobachtungen hätten gezeigt, dass es eine Abweichung zwischen dem Zielorbit und der erreichten Bahn gebe, teilte die Raketenbetreibergesellschaft Arianespace in der Nacht zum Samstag mit. Ob die Satelliten genügend Treibstoff an Bord haben, um aus eigener Kraft ihre richtige Umlaufbahn zu erreichen, war zunächst unklar. Es liefen weitere Untersuchungen.

Anfangs hatte es nach einer reibungslosen Operation ausgesehen.

(Bild: ESA)

Mit einem Tag Verspätung waren die beiden Satelliten für das globale europäische Navigations- und Ortungssystem Galileo gestartet. Zuerst sah es dabei so aus, als sei der Start der Sojus-Rakete mit den Hightech-Geräten vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana ab problemlos verlaufen. Die beiden in Bremen gebauten Satelliten sind Nummer 5 und 6 in der Galileo-Konstellation, die Europa bis 2020 unabhängig von fremder Technik machen soll.

Aktuell verfügen nur die USA sowie Russland über satellitengestützte Navigationssysteme. Beide werden nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) vom Militär kontrolliert und können "bei Bedarf" – zum Beispiel aus sicherheitspolitischen Gründen – verfälscht oder sogar abgeschaltet werden. Autofahrer, Rettungsdienste und andere zivile Nutzer von GPS-Geräten wären dann aufgeschmissen.

"Ein zuverlässiges Navigations- und Ortungssystem ist ein Schlüsselelement für die Vernetzung von Verkehrsträgern und die Schaffung eines integrierten Gesamtverkehrssystems", kommentierte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den Start am Freitag. Mit Galileo werde Europas Eigenständigkeit auf diesem Gebiet gesichert.

Ursprünglich sollte das milliardenschwere Prestigeprojekt mit geplanten 30 Satelliten bereits 2008 einsatzbereit sein. Wegen Streitigkeiten unter den Partnerländern gab es aber immer wieder Verzögerungen. Ein eingeschränkter Betrieb soll nun ab 2015 möglich sein. Volle Einsatzbereitschaft soll ab 2020 gewährleistet sein.

Vom kommenden Jahr an sollen auch europäische Ariane-5-Trägerraketen für den Transport der Galileo-Satelliten eingesetzt werden. In dieser Woche wurde dafür ein 500-Millionen-Euro-Auftrag unterzeichnet. Die Nutzung der russischen Sojus-Raketen gilt seit der Ukraine-Krise als politisch fragwürdig. Bislang wurden allerdings noch keine unmittelbar relevanten Auswirkungen auf die Kooperation bei Raumfahrt-Projekten bekannt. Die russische Sojus gilt als zuverlässiges Transportmittel, das mittelschwere Lasten kostengünstiger als die große europäische Ariane-Rakete ins All bringt.

Satellitennavigationssystem Galileo (4 Bilder)

Galileo-Satellit

FOC-Satellit (Full Operational Capability) für das Galileo-System bei den letzten Vorbereitungsarbeiten in Kourou
(Bild: ESA)

Das am Freitag gestartete Modell hatte eigentlich bereits am Vortag in Richtung All fliegen sollen. Wegen ungünstiger Wetterbedingungen über dem Raumfahrtzentrum in Südamerika wurde der Countdown allerdings für 24 Stunden unterbrochen. Die neuen um die Erde kreisenden Satelliten heißen Doresa und Milena. Sie sind nach zwei Kindern benannt, die einen Malwettbewerb der EU-Kommission gewonnen hatten. (mho)