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Satellitennavigation: Software-Update trug Mitschuld an Galileo-Ausfall

Als es bei einer Galileo-Bodenstation in Italien Probleme mit der Systemzeitfunktion gab, lief im deutschen zweiten Kontrollzentrum ein Sicherheits-Update.

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(Bild: ESA-P. Carril )

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Eine Verkettung widriger Umstände führte zum Ausfall des in Europa betriebenen globalen Navigationssatellitensystems Galileo. Dies erklärte der Direktor der in Prag sitzenden Global Navigation Satellite Systems Agency (GSA), Carlo des Dorides, am Dienstag im Industrieausschuss des EU-Parlaments. Mitschuld an der massiven Betriebsstörung trug demnach ein im Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen durchgeführtes Sicherheitsupdate just zu dem Zeitpunkt, als die ersten Störungen auftraten.

Bisher war nur bekannt, dass es zu einem technischen Zwischenfall gekommen war, der durch Fehlfunktionen in Galileo-Bodenstationen ausgelöst wurde. Zunächst soll es Probleme mit der Übermittlung der Systemzeit an die derzeit 26 Satelliten durch das Steuerungszentrum in Fucino bei Rom gegeben haben. So konnte der Standort der Satelliten und ihre Flugbahn im Orbit nicht mehr genau berechnet werden.

Eigentlich hätte die gleichberechtigte Station Oberpfaffenhofen, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt, die Funktion in diesem Fall zur Verfügung stellen sollen, erläuterte des Dorides laut einem Bericht des Magazins Politico den Abgeordneten. Die dortige Galileo-Anlage sei aber wegen des gerade laufenden Updateprozesses als Ersatz ausgefallen. Dies habe letztlich dazu geführt, dass die volle Servicepalette des Navigationssystems nicht verfügbar gewesen sei.

"Wir wissen, dass Cyberangriffe stattfinden, und müssen sicherstellen, dass die Software auf dem aktuellen Stand ist", ergänzte Pierre Delsaux, stellvertretender Leiter der Generaldirektion Binnenmarkt der EU-Kommission, bei der Sitzung. Die erforderlichen Updateverfahren müssten aber künftig so durchgeführt werden, dass sie "keine derartigen Schwächen in dem System erzeugen".

Die EU hat insgesamt bereits rund zehn Milliarden Euro investiert, um mit Galileo eine Alternative zum US-Konkurrenten GPS zu schaffen, die zugleich leistungsfähiger als das Original sein soll. Das System befindet sich noch im Probebetrieb. Erste Dienste sind seit 2016 verfügbar. Die letzten vier der insgesamt 30 Satelliten sollen Ende des kommenden Jahres ins All geschossen werden.

Delsaux bezeichnete es als nicht ungewöhnlich, dass es während der gegenwärtigen vorläufigen Betriebsphase noch zu Störungen komme. Es sei zwar keine "schöne Situation", aber an sich sei Galileo schon jetzt eine Erfolgsgeschichte. Die USA und Russland hätten jeweils gut zwei Jahrzehnte gebraucht, um ihre eigenen Versionen zur Satellitennavigation zu entwickeln. Auf die Basisfinanzierung von Galileo einigten sich die EU-Mitgliedsstaaten allerdings auch bereits 2003.

Laut dem DLR arbeitete während des Ausfalls der allein betroffenen Navigations- und Zeit-Dienste ein Team von Experten unter Führung der Firma Spaceopal "mit Hochdruck und in enger Abstimmung" mit der GSA sowie der Zulieferindustrie für die Bodensysteme und der europäischen Raumfahrtagentur (ESA) daran, die Fehlfunktion zu beheben. Aufgrund der "technischen Komplexität des Systems und Analyse der Fehlerabhängigkeiten" hätten diese Anstrengungen mehrere Tage benötigt, bis die Wiederaufnahme des Probebetriebs am 18. Juli bestätigt werden konnte.

Eine unabhängige Untersuchungskommission analysiert momentan für die EU-Agentur GSA und die EU-Kommission als programmverantwortliche Stelle die genaueren Umstände und Auslöser des Vorfalls, um das System weiter zu verbessern. Die Prüfungen vor Ort sollten bis Ende des Monats abgeschlossen sein, ließ Delsaux durchblicken. Mit Ergebnissen sei im Herbst zu rechnen. (mho)