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Schaar sieht eklatante Mängel im Datenschutzmanagement der Telekom

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Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat in diversen Interviews der Deutschen Telekom massive Sicherheitsmängel angekreidet. Der "spektakuläre Vorfall", dass dem Bonner Konzern fast die Hälfte seiner Kundenstammdaten abhanden gekommen sei, deute auf große Lücken im Datenschutzsystem des Unternehmens hin, sagte er der Frankfurter Rundschau. Zehntausende Mitarbeiter könnten auf Datenbanken zugreifen und diese auch kopieren. Diese Organisationsstruktur müsse geändert werden. Polizei und Staatsanwaltschaft warf Schaar vor, im "merkwürdigen Vorgang" der Vorhaltung der verlorenen personenbezogenen Informationsmassen durch einen Mainzer Erotikunternehmer noch nicht gehandelt zu haben. Dabei gehe es nicht nur um Aufklärung, sondern auch um Gefahrenabwehr.

Mit "mehr oder weniger" vier Mitarbeitern versucht die Datenschutzbehörde schon seit einigen Monaten, sich im Rahmen aufwendiger Prüfungen einen Überblick über das komplexe System der Datenverarbeitung bei der Telekom zu verschaffen. "Wir müssen da teilweise bei Null anfangen", klagte Schaar dem Tagesspiegel. In seine Rüge schloss Schaar auch Konzernchef René Obermann ein: "Es handelt sich hier um einen eklatanten Mangel im Datenschutzmanagement, für das die Unternehmensleitung die Verantwortung trägt." Gegenüber Stern.de monierte der Datenschützer ferner, dass Telekom-Mitarbeiter konkrete Nachfragen zu weiteren Datenabflüssen nach dem Skandal um die Bespitzelung von Aufsichtsräten und Journalisten mit "Nein" beantwortet hätten. "Dass man mich und die Betroffenen im Dunkeln gelassen hat, halte ich für ziemlich befremdlich und ärgerlich."

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die zuletzt bekannt gewordenen Vorgänge bei der Telekom als "sehr ärgerlich". Der Fall würde zeigen, "dass die von uns angestrebte Verbesserung des Datenschutzes dringend nötig ist", sagte der CDU-Politiker dem Münchner Merkur. Eingebaut werden solle in den Entwurf eine Informationspflicht für Unternehmen, "die den Missbrauch von Daten feststellen". Nach dem Datenschutzgipfel von Bund und Ländern Anfang September hatte es noch geheißen, dass eine entsprechende Auflage bei Datenschutzpannen "geprüft" werde. Schäuble gab zugleich zu bedenken, dass sich viele Bürger von den modernen Kommunikationsmitteln "verführen" lassen würden, mehr von sich mitzuteilen, als ihnen wirklich recht sei. (Stefan Krempl) / (pmz)

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