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Schachlegende Garri Kasparow: Habt keine Angst vor künstlicher Intelligenz!

Der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow hält künstliche Intelligenz nicht für bedrohlich. Dass durch Technik zwangsläufig Arbeitsplätze wegfallen, sei Teil der Geschichte, erklärte er Tausenden von Besuchern der Hacker-Konferenz Def Con in Las Vegas.

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Garri Kasparov

Garri Kasparov, der 2005 seinen Rückzug vom professionellen Turnierschachbetrieb erklärt hat, widmet sich seitdem vorrangig politischem Engagement innerhalb der russischen Opposition. Seit 2014 besitzt er die kroatische Staatsbürgerschaft.

(Bild: Uli Ries)

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Garri Kasparow künstlicher Intelligenz sehr offen gegenübersteht. Schließlich war er es, der 1997 gegen IBMs Deep Blue verlor. Allerdings war die Maschine seiner Ansicht nach sehr weit von KI entfernt: Deep Blue habe durch schiere Rechenleistung so gut gespielt, sei ansonsten aber "so intelligent gewesen wie ein Wecker". Allerdings sei es "auch kein tolles Gefühl" gewesen, "gegen einen zehn Millionen Dollar teuren Wecker zu verlieren", so Kasparow. Erste Ansätze von künstlicher Intelligenz hat nach seiner Ansicht erst Googles AlphaGo gezeigt.

Heute würde jede Schach-App auf einem Smartphone Deep Blue in die Schranken weisen. Das verdeutliche aber auch, wie weit die Technik inzwischen fortgeschritten sei. Kasparow sieht in KI keine Bedrohung für Menschen. Er erwartet aber soziale Umwälzungen durch die Technik, wenn diese die "zittrigen Hände" der Menschen ersetze. Computer würden heute schon präzisere medizinische Diagnosen stellen als Menschen. Im Gespann mit einer guten Krankenschwester sei das eine deutliche Verbesserung gegenüber einem Arzt, der vom Rechner unterstützt werde. Denn der Arzt würde immer versuchen, schlauer zu sein als die Technik.

Auch in der Vergangenheit hätten Neuerungen für Umwälzungen gesorgt. "Bevor Technik neue Jobs schafft, macht sie erst einmal welche überflüssig", sagt Kasparow. Wir hätten Angst davor, dass wir von Maschinen ersetzt würden. Das sei aber nicht berechtigt.

Daher spricht er sich deutlich gegen Regulierung im Technikumfeld aus. Diese geschehe nur zum Schutz bedrohter Industrien, die aber Entwicklung lediglich verlangsamten. Kommende Generationen würden seiner Ansicht nach kopfschüttelnd auf uns zurückschauen, wie wir beispielsweise mit autonomem Fahren umgegangen seien. Obwohl wir die Statistiken über Verkehrstote kennen, zögen wir das Selbstfahren vor. Kasparow findet es erstaunlich, dass Science Fiction vor 50, 60 Jahren immer positive Bilder, also ein Utopia, gezeigt habe. Heute male Science Fiction meist nur ein düsteres Dystopia.

Garri Kasparow glaubt, dass aus dem Zusammenspiel von Mensch und cleveren Maschinen gewaltige Möglichkeiten für Verbesserungen entstünden. Es sei unsere Aufgabe, die massive Rechenleistung in die richtigen Bahnen zu lenken durch unsere Kreativität. Computer könnten zwar Fragen stellen und lernen. Sie wüssten aber nicht, welche Fragen jeweils relevant seien. An dieser Stelle komme der Mensch ins Spiel: Nur Menschen könnten träumen, Maschinen hingegen nicht. Daher sei es weiterhin der Mensch, der durch seine Träume die Technik in die richtigen Bahnen lenken werde. (psz)

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