Schachmaschinen fegen Großmeister vom Brett

Der in vier Runden ausgetragene Wettkampf zwischen drei Schach-Großmeistern und ebensovielen Schachprogrammen in Bilbao endete für die Menschen mit einem Desaster; sie unterlagen mit 3,5 zu 8,5 Punkten.

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Von
  • Lars Bremer

Der in vier Runden ausgetragene Wettkampf zwischen drei Schach-Großmeistern und ebensovielen Schachprogrammen in Bilbao endete für die Menschen mit einem Desaster; sie unterlagen mit 3,5 zu 8,5 Punkten. Nur eine einzige der zwölf gespielten Partien konnten die Großmeister gewinnen, fünf Partien endeten unentschieden und sechs Mal gewannen die Maschinen.

Dabei hatten die Organisatoren zwei Weltklasse-Leute engagiert: Wesselin Topalow, Fünfter der Weltrangliste, und Ex-Weltmeister Ruslan Ponomarjow, Nummer 13 in der Welt. Doch beide konnten keine einzige Partie gewinnen; Topalow verlor ein Mal und Ponomarjow zwei Partien. Der einzige Sieg der Menschen gelang dem erst 14-jährigen Sergej Karjakin, der noch nicht einmal in der Top100-Liste auftaucht und alle anderen Partien verlor.

Auf Seiten der Maschinen konnte der amtierende Computerschach-Weltmeister DeepJunior trotz Quad-Xeon 2,8 GHz keine einzige Partie gewinnen und war zudem für die einzige Niederlage der Programme verantwortlich. Hardware-Monster Hydra auf einem 16-Prozessor-Cluster und Fritz auf einem Centrino-Notebook gewannen je drei Partien und sind mit 3,5 Punkten aus vier Partien die überlegenen Sieger der Veranstaltung.

Den Erfolg von Fritz auf vergleichsweise schwacher Hardware führt einer seiner Programmierer, der Hamburger Mathias Feist, auf das "gute Training" gegen Kramnik und Kasparow zurück; die Erkenntnisse aus diesen Wettkämpfen seien in die aktuelle Version eingeflossen. Fritz habe sehr gute Partien gespielt und sich wenn nötig auch gut verteidigt, sagte Feist gegenüber heise online. "DeepJunior hat manchmal positionell ungesund gespielt", erklärte er den Misserfolg des Computerschach-Weltmeisters. "Hydra hat sehr druckvoll gespielt, konnte sich aber von Fritz nicht deutlich absetzen. Aber das ist auch schwer, wenn der schon 3,5 Punkte von vier möglichen holt".

In der Spielweise der Menschen hat Feist deutliche Unterschiede erkannt. "Karjakin hat wie immer gespielt und sich auf jedes Gemetzel eingelassen. Das geht gegen Programme meist schief." Topalow habe sehr anspruchsvoll gespielt und oft eine überlegene Stellung erhalten, ohne diese jedoch in einen Sieg ummünzen zu können. Auch Ponomarjow sei unter Wert geschlagen worden. "Wenn die Großmeister öfter gegen Programme spielen würden, könnten sie vielleicht erfolgreicher sein", zieht Feist das Fazit. Aber auf einen künftigen Match-Sieg der Menschen würde er auch nicht wetten. (Lars Bremer) / (se)