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Scharfe Kritik an Gruppen-Gesundheitsbonus für Amazon-Mitarbeiter

Prämien für seltene Krankschreibungen sind in deutschen Unternehmen nicht unüblich. Amazon geht anscheinend noch etwas weiter und belohnt ganze Arbeitsgruppen.

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Mitarbeiter eines Amazon-Logistikzentrums

(Bild: Amazon)

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Mitarbeiter des US-Onlineeinzelhändlers Amazon bekommen neben einer Erfolgsprämie auch mehr Geld, wenn sie weniger Krankheitstage aufweisen. Um dabei die höchstmögliche Prämie von 10 Prozent des monatlichen Bruttogehaltes zu bekommen, zählen nicht nur die Krankheitstage des einzelnen Mitarbeiters, sondern auch der Krankenstand seines Teams, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Das System gelte für fünf der neun Amazon-Logistikzentren in Deutschland.

"Wir lehnen jede Form einer Gesundheitsprämie ab", sagt Thomas Voss, bei Verdi für Amazon zuständig. Durch einen Gruppenbonus würden die Mitarbeiter gegeneinander ausgespielt. Sabine Voermans, Leiterin des Gesundheitsmanagements bei der Techniker Krankenkasse, sagt: "In einem Prämiensystem würde Krankheit als normaler Bestandteil des Lebens negiert. Dadurch wird gefördert, dass Mitarbeiter krank zur Arbeit gehen, um den Bonus noch zu bekommen. Es besteht damit die Gefahr, dass Krankheiten nicht ausgeheilt werden. Zudem kann es negativ auf das Gruppenklima wirken."

Verdi gibt laut dem Bericht auch an, der Krankenstand in den Logistikzentren betrage zeitweise bis zu 20 Prozent. Der Durchschnitt in Deutschland insgesamt hatte 2015 vier Prozent betragen. Eine Amazon-Sprecherin nannte die Zahlen "haltlos", aber auch keine konkreten Zahlen aus ihrem Unternehmen. (anw)