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Scharfe Kritik von Gewerkschaft nach Verkauf von Brockhaus

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Der Verkauf der Traditionsmarke Brockhaus an Europas größten Medienkonzern Bertelsmann stößt bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf harte Kritik. "Wie kommt ein Traditionsunternehmen für Lexika und Wörterbücher dazu, eine seiner Kernmarken wie faules Obst dem Medienmulti Bertelsmann vorzuwerfen, der diese Markenperle natürlich gerne nimmt?", kritisierte Gewerkschaftssekretär Rudi Munz den bisherigen Verlag, das [www.bifab.de Bibliographische Institut] in Mannheim. Besonders verärgert zeigte sich Munz über den angekündigten Personalabbau – nachdem im Sommer betriebsbedingte Kündigungen zunächst vom Tisch waren.

"Das ist ein bitterböses Weihnachtsgeschenk des Verlagsvorstandes und des Mehrheitsaktionärs Langenscheidt an die Belegschaft in Mannheim und Leipzig", kommentierte der Gewerkschafter. Er warf dem Management der Mannheimer Verlagsgruppe "grandioses unternehmerisches Versagen" vor. Vorstandssprecher Ulrich Granseyer wollte dies nicht kommentieren. Angesichts des geplanten Personalabbaus verwies er auf eine veränderte wirtschaftliche Lage. "Die Rahmenbedingungen haben sich verändert – und auf die reagieren wir jetzt", sagte er.

Die Verlagsgruppe hatte am Mittwoch den Verkauf der legendären Brockhaus-Enzyklopädie mit 200-jähriger Tradition bekanntgegeben. Der Rückzug aus dem Geschäftsfeld "Lexikalisches Nachschlagen" bedeutet das Aus für den Standort Leipzig. Betroffen sind 60 Arbeitsplätze. Auch für den Standort Mannheim wird der Verkauf Auswirkungen haben. Einzelheiten nannte das Unternehmen aber noch nicht. Im Juli hatte der Verlag noch verkündet, es werde trotz der Millionenverluste im vergangenen Jahr keine Kündigungen geben. Ungeachtet dessen sollte die Zahl der Beschäftigen in Mannheim von etwa 250 auf gut 200 sinken.

Die Gruppe beschäftigt bundesweit rund 480 Mitarbeiter. Der Geschäftsbericht der Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG hatte für 2007 ein Minus von knapp 6,5 Millionen Euro ausgewiesen. Die Umsatzerlöse des Konzerns 2007 sanken auf 93,3 Millionen Euro (2006: 107 Millionen). (dpa) / (jk)

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