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"Scheiß Internet"-Preis für Festplatten-Abgabe und fuZo-Aus

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Der österreichische Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ), stellvertretend für die gesamte österreichische Bundesregierung, ist der Träger des zweiten Wolfgang Lorenz Gedenkpreises für internetfreie Minuten. Im Rahmen einer Gala war am Freitagabend in Wien zunächst dem Namensgeber des Preises gehuldigt worden. Anschließend wählte eine Jury Ostermayer aus neun Nominierten als würdigen Preisträger. Grund ist das neue ORF-Gesetz, mit dem als "Bauernopfer" das Ende für die futureZone beschlossen wurde.

Der Lorenz-Preis ist ein Negativ-Award für "völlig unqualifizierte Statements gegen das Informationszeitalter in Wort und Tat" und wurde von Monochrom am Samstagabend in Wien zum bisher zweiten Mal vergeben. Er geht zurück auf den ORF-Programmdirektor Prof. Wolfgang Lorenz, der vor rund zwei Jahren über das "Scheiß-Internet" hergezogen war, in dem sich "die Jungen verkrümeln". Fernsehen sei das Leitmedium und es sei ihm egal, ob junge Menschen zusähen. Erste Preisträger waren im Vorjahr die Wiener Grünen.

Nach Ansicht der Jury ist mit dem neuen ORF-Gesetz die Chance vergeben worden, den ORF als öffentlich-rechtliches Medium in Rundfunk und Internet so zu positionieren, dass es seine Aufgaben erfüllen kann. "Das qualitativ hochwertigste Internetangebot des ORF – nämlich die futureZone – ist dem Verband österreichischer Zeitungsverleger (VÖZ) geopfert" worden, heißt es in der Begründung. Damit stach Ostermayer prominentere Nominierte wie Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner (vorgeschlagen für seinen Kampf gegen die Gratiskultur), "Tatort Internet"-Moderatorin Stephanie zu Guttenberg (Verdienste um die Wegbereitung von Netzsperren und Onlineüberwachung) oder den VAP aus. VAP steht für Verein für Antipiraterie der Film- und Videobranche. Diese Organisation versucht in Österreich, Internetsperren auf gerichtlichem Weg zu erzwingen.

Publikumspreis an Austro Mechana

Mit dem Publikumspreis brachte der Souverän (soweit anwesend) seinen Unmut über die Urheberrechtsabgabe auf Festplatten zum Ausdruck. Seit Oktober verlangen sieben österreichische Verwertungsgesellschaften zusammen bis 43,74 Euro je Festplatte. HP führt dagegen einen Musterprozess. Als Preisträgerin wurde die Austro Mechana auserkoren, die das Geld für sich und ihre Schwesterorganisationen eintreibt.

Sie setzte sich damit gegen die in einem basisdemokratischen Schnellverfahren ins Spiel gebrachten Kandidaten wie Kleider Bauer oder Gerhard Dörfler durch. Der Textilhändler Kleider Bauer wurde kritisiert, weil er mit juristischen Mitteln Kritiker zum Schweigen bringen möchte. Gerhard Dörfler (FPK) ist Landeshauptmann von Kärnten und Technologiereferenten der Kärntner Landesregierung. Er hatte das Abschalten der Handynetze zu Mittag gefordert "damit die Leute in Ruhe essen können."

Die Wolfgang Lorenz Gedenkpreis Gala 2010 im Figurentheater Lilarum wurde mit einer statischen Kamera dokumentiert. Das Video soll im Laufe des Tages online abrufbar gemacht werden. (jo)