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Schlag gegen die Nigeria-Connection in Amsterdam

Das "CONFIDENTIAL BUSINESS PROPOSAL" von "GENERAL UMARU WOSHA" und seinen Verwandten sind eine seit nun 15 Jahren grassierende und immer noch erfolgreiche Methode zur Abzocke: Angesichts der Gewinnspanne von knapp 4000 US-Dollar pro erfolgreichen Betrug lohnt es sich für die Nigerianer, wenn auch nur einer von zehn- oder hunderttausend Bespammten anbeißt.

Wer länger Erfahrungen im Internet sammeln konnte, hat sich mit der ständigen Betrugsmailplage längst abgefunden, amüsiert sich eher über deren radebrechendes Englisch und veräppelt die Nigerianer mit teils ebenso blöden Antworten. Dabei wird gerne vergessen, dass es immer noch um organisiertes Verbrechen geht, durch das auch deutsche Stadtkämmerer und US-amerikanische Banker Geld verloren und das im Februar 2003 das erste Menschenleben kostete, als ein geprellter Tscheche in Prag den nigerianischen Botschafter erschoss. Nigeria hat einen eigenen Strafrechts-Paragrafen 419 für den verwendeten "Vorauskasse-Betrug" eingeführt und Nigerias Finanzminister Ngozi Okonjo-Iweala versprach erst vor kurzem am World Economic Forum in Davos wieder einmal, dass die Betrüger bald dingfest gemacht würden.

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Dies geschah nun erstmals in größerem Rahmen in Amsterdam, wo ein Nigeria-Betrugsring gesprengt wurde, der schon Millionen Euro ergaunert hatte: Rund 80 Polizisten durchsuchten 23 Appartments und nahmen 52 Beteiligte fest. Außerdem konnten 50.000 Euro in bar, Computer, Mobiltelefone und gefälschte Dokumente sichergestellt werden. Ein Verdächtiger verletzte sich, als er durch einen Sprung aus dem dritten Stock seiner Verhaftung entgehen wollte. Der holländische Kabel-Provider UPC hatte zuvor die Behörden informiert, weil die über sein Netz verschickten Betrugsmails regelmäßig die Mailserver überlasteten.

Der Grund dafür, dass die Nigeria-Connection in Holland so aktiv ist, soll neben den besseren Internet-Verbindungen auch beim Drogenhandel liegen: Jährlich bringen nach Ermittlungen der holländischen Polizei bis zu 25.000 aus Kolumbien über die niederländischen Antillen nach Amsterdam einfliegende Drogenkuriere Kokain in verschluckten Kapseln ins Land, deren Auftraggeber neben kolumbianischen Drogenbaronen auch Nigerianer sind. Die ergaunerten Gelder der "Nigeria-Connection" finanzieren nach Ansicht der Polizei den Drogenschmuggel. Im Mai 2003 waren in Amsterdam erst sechs Urteile gegen Nigeria-Betrügern mit Gefängnisstrafen von einem bis zu viereinhalb Jahren ausgesprochen worden. Allerdings setzen sich die Nigeria-Betrüger mittlerweile unter anderem nach Spanien ab. (Wolf-Dieter Roth) /

Siehe dazu in Telepolis: (tol)

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