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Schlag gegen .eu-Domainsquatter

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Rund 74.000 .eu-Adressen werden vorerst auf Eis gelegt, 400 .eu-Registrare dürfen sich auf ein Vertragsverletzungsverfahren vor einem Brüsseler Gericht gefasst machen. Das teilt Eurid mit, die in Brüssel ansässige Registry für die begehrten Adressen in der .eu-Domain. Seit Längerem hatten zahlreiche europäische Registrarunternehmen beklagt, dass das Unternehmen Ovidio massenweise .eu-Adressen registriere. Eurids Rechtsabteilung ging den Klagen nach und zeigte sich nun überzeugt, dass Ovidio Ltd, Fausto Ltd. und Gabino Ltd. als Fassade für rund 400 Registrare .eu-Adressen gehortet hätten.

Anfang April war für die Europa-Domain .eu die so genannte Landrush-Phase gestartet; seitdem stehen Registrierungen von .eu-Domains für alle offen. Zuvor gab es zwei so genannte Sunrise-Perioden. In der ersten Sunrise-Phase wurden nur Registrierwünsche von öffentlichen Einrichtungen – etwa Bundes- und Landesbehörden – und eingetragenen Markeninhabern berücksichtigt. In der Sunrise-Phase 2 konnten auch Inhaber von Firmen- oder anderen rechtlich geschützten Namen .eu-Domains vorregistrieren.

"Domainbesitzer und Registrare können als ein und diesselben betrachtet werden", sagte nun Eurid-Chefjurist Herman Sobrie zu den Vorgängen um das Horten von Adressen. "Da die Registrare aber Domains nur für existierende Kunden registrieren und kein 'Warehousing' der Domains zum Zweck des gewinnbringenden Weiterverkaufs veranstalten sollen, handelt es sich um eine klare Vertragsverletzung", betont Sobrie. Bei den 400 Registraren, die für Ovidio, Fausto und Gabino registrierten, handelt es sich laut Auskunft von Eurid-Pressesprecher Patrik Linden im wesentlichen um Unternehmen mit US-Adressen.

Auch die massenweise Akkreditierung von offensichtlich zusammenhängenden Registrarunternehmen hatte beim Start der .eu-Domain für viel Unmut gesorgt. Durch die Mehrfachakkreditierungen hatten die jeweiligen Unternehmen sich bessere Chancen beim Start der eu-Registrierung gesichert. Eurid hatte dem "Klonen" der Registrarunternehmen, bei dem sich Unternehmen mit US-Sitz besonders hervorgetan hatten, nichts entgegengesetzt. Als zuletzt bei Freigaben von in den beiden Sunrise-Phasen nicht akzeptierten Adressen erneut die Vielzahl der auf Ovidio eingetragenen Adressen offenbar wurden und einzelne Registrare Beschwerden bei der EU-Kommission ankündigten, startete man eine genauere Überprüfung. Die notwendigen Beweise für die Klage beizubringen, sei kompliziert gewesen, sagte Linden.

Eurid überprüfe laufend, heißt es nun in der Mitteilung, ob die akkreditierten Registrare im besten Interesse ihrer Kunden handelten und ob .eu-Adressinhaber auch tatsächlich zur Registrierung berechtigt seien. Laut Linden wurden inzwischen schon ein paar tausend .eu-Adressen ihren Besitzern wieder entzogen, weil sie keinen Wohn- oder Firmensitz in Europa nachweisen konnten. Auch in diesem Bereich will Eurid weiter aktiv bleiben.

Mit Blick auf die 74.000 jetzt gesperrten Adressen gelte es jetzt, das Urteil der belgischen Justiz abzuwarten, sagte Linden. Danach sollen die Adressen wieder in den Pool nicht vergebener Adressen zurückfallen. Die Zahl der aktiven .eu-Domains ist mit der Sperre wieder knapp unter zwei Millionen gefallen.

Zur .eu-Domain siehe auch:

(Monika Ermert) / (jk)