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Technology Review

Schleimpilz als Roboter

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Wissenschaftler der University of the West of England in Bristol wollen aus dem Schleimpilz Physarum polycephalum einen programmierbaren Roboter machen. Dafür haben sie 228.000 britische Pfund (rund 260.000 Euro) Forschungsförderung erhalten, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe (seit dem 24.9. am Kiosk oder hier portokostenfrei online zu bestellen).

Was sich auf den ersten Blick liest wie eine typisch britische, leicht spleenige Idee, ist tatsächlich hochinteressant. Denn der Schleimpilz ist eine Art Super-Organismus – eine einzige Zelle ohne unterteilende Zellwände, die viele Millionen Zellkerne besitzt. Dieses Gebilde kann beispielsweise den kürzesten Weg durch ein Labyrinth finden, um an eine Nahrungsquelle zu gelangen.

Professor Andy Adamatzky, der das Projekt leitet, hat in früheren Arbeiten gezeigt, dass der Pilz Analogien zu einem universell programmierbaren Computer aufweist. "Programmiert wird Physarum durch die räumliche Anordnung von Dingen, die auf ihn anziehend oder abstoßend wirken", erklärt Adamatzky, "Licht beispielsweise, Nahrung oder Salz." Das bringt den Pilz in Bewegung: Entweder er lässt sich Tentakel wachsen oder er wandert als komplette Kolonie über den Boden einer Petrischale. Natürlich sei das Projekt noch "zu 90 Prozent Grundlagenforschung", er könne sich aber durchaus Anwendungen vorstellen wie etwa "Sensoren oder den Transport von Mikro- oder Nano-Bauteilen auf Chips". (wst)

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