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Schlichtungsvorschlag für Sammelklage gegen Sony BMG

Im ersten US-Prozess wegen der missglückten Sony-BMG-Kopiersperre haben die Anwälte beider Seiten dem New Yorker Bezirksgericht einen Schlichtungsvorschlag vorgelegt [PDF]. Die Anwaltskanzlei Kamber & Associates hatte Ende November eine Sammelklage gegen den Musikkonzern Sony BMG angestrebt, weil dieser Musik-CDs mit einer Kopiersperre ausgestattet hat, die als "Sony BMG Rootkit" bekannt wurde.

In den Hauptpunkten zielt der Schlichtungsvorschlag darauf ab, dass die Käufer der betroffenen CDs entschädigt werden und dass Sony BMG keine CDs mit diesen Kopiersperren mehr herstellt. Als Entschädigung erhalten die Kläger entweder 7,50 US-Dollar und einen Gutschein zum Download eines Albums oder einen Gutschein zum Download von vier (kopiergeschützten) Musik-Alben von einem Musik-Download-Portal.

Zudem erklärt sich Sony BMG dazu bereit, Deinstallationsprogramme für die Kopiersperren XCP und MediaMax online zu stellen und alle mit XCP geschützten CDs vom Markt zu nehmen. Darüber hinaus verzichtet die Plattenfirma für die nächsten beiden Jahre auf die Herstellung von kopiergesperrten Audio-CDs. Dieses Zugeständnis dürfte Sony BMG nicht schwer gefallen sein: Die durch ausführliche Medienberichte sensibilisierte Kundschaft würde wohl eh keine CDs mit "Copy Control" mehr kaufen.

Weiterhin verzichtet Sony BMG auf die Durchsetzung strittiger Passagen der EULA der Kopiersperren und wird keine Daten über die Nutzung der CDs sammeln. Insgesamt enthält der Schlichtungsvorschlag also wenig Überraschendes: Die Deinstallationsprogramme stehen bereits online und das CD-Austauschprogramm läuft bereits. Der Rückzug der XCP-CDs aus dem Handel verläuft dagegen eher schleppend.

Die Kopiersperren XCP der britischen Firma First4Internet sowie MediaMax von Suncomm kamen auf etwa fünf Millionen CDs zum Einsatz. Betroffen sind über 50 Titel, darunter die aktuellen Alben von Neil Diamond und Cyndi Lauper. Die Alben wurden in Japan, Kanada und den USA verkauft. Wer diese CDs in sein CD-Laufwerk einlegte, setzte sich damit einem unkalkulierbaren Risiko aus. Die von den "Kopierschutzmechanismen" installierten Treiber machen Windows-PCs und Mac-Rechner für wohlgezielte Angriffe anfällig. Ein Netzwerk-Experte machte über eine Server-Analyse mindestens eine halbe Million Rechner aus, auf denen der "Sony BMG Rootkit" installiert war.

Siehe zum Thema auch: (ghi)

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