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Schnäppchenjäger verzerren Handy-Statistiken

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Die deutschen Mobilfunkbetreiber haben nach Einschätzung von Marktforschern rund sechs Millionen Kunden weniger als angenommen. Faktisch sei von 42 Millionen Mobilnutzern in Deutschland auszugehen und nicht von 48,2 Millionen, berichtete Matthias Plica von der Mobilfunk-Beraterfirma Xonio am heutigen Dienstag zur CeBIT in Hannover. Betrügerische Kunden hätten weit unter Preis abgegebene Handys in großem Stil eingekauft und gewinnträchtig exportiert. Bis zu 300 Mark Zuschuss pro Gerät gingen Betreibern so verloren, ohne dass sie dies durch Gebühren ausgleichen könnten.

Auslöser sei die Flut von Billigangeboten im Boomjahr 2000 gewesen. "Einige Großhändler berichten von Käufern, die sich mit Tausenden von Geräten eindeckten", sagte Plica. Viele Verbraucher hätten ein Schnäppchen zudem "schnell in den Schrank geworfen und ein neues gekauft." Ungenutzte Karten blieben jedoch für zwölf Monate aktiviert und würden derweil fälschlich als Kunden gezählt.

Der Schaden sei im "oberen dreistelligen Millionenbereich" anzusiedeln, schätzt Plica. Dies habe die Gewinne voriges Jahr empfindlich gedrückt: "Die Hauptzeit des Betrugs ist aber vorbei." Betreiber kürzten ihre Zuschüsse, verschärften ihre Kontrollen.

Grundlage der Berechnungen seien Umfragen bei Handel und Bevölkerung. "Demnach haben 52 Prozent der Deutschen ein Handy", erklärt der Marktforscher. Dies decke sich mit der Xonio-Schätzung. Branchenangaben gingen bislang von 59 Prozent Handynutzern aus. Die statistische Schieflage sei zugleich eine gute Nachricht: "Das zeigt, dass der Markt nicht so voll ist wie gedacht." Schon in den nächsten Jahren sei eine Dichte von bis zu 80 Prozent zu erreichen. (dpa) / (hag)