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Schneller Internet-Zugang: "Gegenoffensive" der Telekom-Konkurrenz beim Breitbandausbau

Der Vectoring-Entwurf der Bundesnetzagentur sorgt für Aufruhr in der Branche. Doch die Telekom-Konkurrenten geben sich kämpferisch – und nehmen selbst viel Geld in die Hand, um den Breitbandausbau voranzubringen.

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Breitband-Internetversorgung

Der Schock wirkt nach. Der Vectoring-Entwurf der Bundesnetzagentur vom Montag beschäftigt die Teilnehmer der Jahrestagung des Breko-Verbands, auf der rund 500 Vertreter der Telekommunikationsbranche zusammengekommen sind. Die Netzbetreiber fürchten, durch die Vectoring-Offensive der Telekom in wichtigen Bereichen abgehängt zur werden. "Der Antrag hätte abgelehnt werden müssen", meint Breko-Geschäftsführer Stephan Albers zur Eröffnung der Tagung am Donnerstag in Berlin.

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Nicht die weiße Fahne hissen

"Wir können es immer noch nicht so richtig glauben", sagte Breko-Vizepräsident und Versatel-CEO Johannes Pruchnow. "So etwas habe ich noch nie erlebt", schimpft auch Karsten Schmidt. Der Geschäftsführer des Hannoveraner Netzbetreibers htp spricht von Enteignung. Doch die Netzbetreiber geben sich kämpferisch: "Wir sind nicht gekommen, um die weiße Fahne zu hissen", sagte Albers. "Wir gehen in die Gegenoffensive."

Nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" stellt der Breko der einen Milliarde, die die Telekom in den exklusiven Vectoring-Ausbau stecken will, die Investitionen seiner Mitglieder gegenüber: 2,4 Milliarden Euro wollen die Breko-Unternehmen in den nächsten Jahren in den Netzausbau stecken. Dabei setzen immer mehr Unternehmen auf die zukunftsfähige Glasfaser, die den stetig wachsenden Bandbreitenhunger der digitalen Gesellschaft auch langfristig stillen kann.

Breko-Vize Johannes Pruchnow (2. v. l.) kann es noch gar nicht richtig glauben.

(Bild: Volker Briegleb / heise online)

Gigabit-Gesellschaft

Bis 2020 muss die Infrastruktur weltweit rund 50 Milliarden Geräte vernetzen, rechnet Jens Böcker von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg vor. Dabei werde sich die in den IP-Netzen umgeschlagene Datenmasse von derzeit rund 70 Exabyte pro Monat bis 2019 mehr als verdoppeln. Der Löwenanteil wird von Videostreaming verursacht. "Wir müssen uns auf die Gigabit-Gesellschaft vorbereiten", sagte der zuständige Bundesminister Alexander Dobrindt (CSU) in der vergangenen Woche auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung.

Dabei spielt die Netzbranche eine zentrale Rolle. "Die digitale Infrastruktur ist die Grundlage für Wettbewerb in der digitalisierten Wirtschaft", sagte EU-Kommissar Günther Oettinger in seiner Grußbotschaft. Die Kommission will sicherstellen, dass die Netze mit dem explodierenden Bedarf Schritt halten können. "Wir brauchen einen fairen Wettbewerb für alle Beteiligten", sagte Oettinger. Das ist Balsam für die Netzbetreiber, die nicht erst seit der Vorlage des Vectoring-Entscheidungsentwurfs der Bundesnetzagentur am Montag vor genau dieser Re-Monopolisierung warnen.

Innovationsbremse Regulierung

"Wir werden gebremst", kritisierte Gerda Meppelink von Deutsche Glasfaser, die FTTH in ländlichen Regionen ausbauen. Die Politik wolle offenbar wenige große Anbieter stärken. Das ruft die Pläne Neelie Kroes in Erinnerung, die als zuständige Kommissarin in der EU-Kommission unter José Manuel Barroso die Idee der "nationalen Champions" mitentwickelt hatte. Kroes' Nachfolger Oettinger ist ebenfalls ein Freund dieser Idee, warnt aber inzwischen auch vor neuen Monopolen. (vbr)

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