Schon mal Domains "getastet"?

"Tasting" ist die Domainregistrierung unter Ausnutzung der Frist, innerhalb derer die kostenfreie Rückgabe möglich ist. Nur Domains, die viel Verkehr anziehen, werden anschließend registriert und bezahlt. Die ICANN will das Problem in den Griff bekommen.

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Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) will dem Problem des so genannten "Domain Tasting" noch besser auf die Spur kommen. Daher wendet sich die Netzverwaltung beziehungsweise eine spezielle Arbeitsgruppe der für Top Level Domains (TLDs) wie .com, .net oder .org zuständigen Generic Name Supporting Organisation (GNSO), mit einer Liste von Fragen an die Netzöffentlichkeit: Wer hat schon einmal eine Domain kostenfrei ausgetestet, wer hat durch das "Tasting" schon einmal selbst Schaden erlitten?

Als "Tasting" von Domains bezeichnen die Domainexperten die Registrierung einer Domain unter Ausnutzung einer Frist, innerhalb der die kostenfreie Rückgabe einer registrierten Domain möglich ist. Nur Domains, die viel Verkehr anziehen, werden anschließend tatsächlich registriert und bezahlt. Möglich ist das Tasting ("Austesten" oder "Abschmecken") der Domains, durch die "Add Grace"-Regel, die ursprünglich zwischen dem ehemaligen Domain-Registrierungsmonopolisten Network Solutions und den Registraren vereinbart wurde. Die ICANN führte darauf aufbauend eine 5-Tages-Frist ein, innerhalb derer eine Domainregistrierung kostenlos bleibt. Über Parkseiten wird anschließend die mögliche Attraktivität der Seite getestet und gegebenenfalls unter neuem Namen erneut kostenfrei registriert. Betroffen sind im Wesentlichen .com, .net und .org, von .info, .biz, .name und anderen TLDs der zweiten Generation sind keine Tasting-Probleme bekannt, obwohl es die Rückgabemöglichkeit auch hier gibt. Neben den bei ICANN vertretenen Endnutzern haben sich auch die Vertreter von Markenrechtsinhabern dafür stark gemacht, dass ICANN die Notbremse zieht.

Unterstützung kommt auch von der World Intellectual Property Organisation (WIPO), die das "Tasting" als Problem für Markenrechtsinhaber bezeichnet. Da die ausgetesteten Domains zu rasch von Hand zu Hand gingen, sei die Durchsetzung von Marken- oder Namensrechten äußerst schwierig. Allerdings betrachten manche Experten die Kritik von Seiten der Markenrechtsinhaber mit einer gewissen Skepsis. Der US-Anwalt und Domainmarktexperte John Berryhill empfiehlt, genau hinzusehen: Nach seiner Ansicht gibt es etwa keinen tatsächlich dokumentierten Fall des so genannten "Kiting", der von Markenrechtsvertretern beschworenen Technik, Domains für fünf Tage kostenlos zu registrieren, zurückzugeben und gleich wieder zu registrieren.

Bevor die GNSO sich für Vorschläge zum Umgang mit dem Tasting aussprechen will, sollen nun mehr Daten auf den Tisch. Dabei erwartet man wohl nicht ernsthaft, dass die Taster selbst genaues Zahlenmaterial liefern. Schon eher dürften die die Betreiber der Domainregistrierungs-Datenbanken (Registries) ein Interesse an der Aufklärung haben, haben sie doch ihre Systeme für die massenhafte kostenlose Registrierung und Rückbuchung auszugestalten – ohne dafür einen Pfennig zu sehen. Mögliche Gegenmaßnahmen, die im Konsultationstext von der GNSO genannt werden, reichen von der Abschaffung der Add-Grace-Frist über die Einbehaltung der ICANN Transaktionsgebühren (aktuell 20 Cent pro Domain und Jahr) bis hin zu einer besonderen Gebühr, die bei überproportionaler Rückgabe von Adressen für den entsprechenden Registrar (den Registrierungsdienstleister für die Endkunden) fällig wird.

Eine solche Gebühr verlangt etwa .org-Registrybetreiber Public Internet Registry (PIR) schon jetzt. Wenn innerhalb eines Monats mehr als 90 Prozent der vom Registrar registrierten Domains nur angetestet werden, schlägt das bei .org-Domains inzwischen mit 5 Cent pro Domain zu Buche. Zahlen und Ideen zum Tasting erbittet ICANN nun bis zum 15. September. (Monika Ermert) / (jk)