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Schüler fordern: Weg mit dem Handy-Verbot an Schulen

Für Schüler ist es längst selbstverständlich, ständig online zu sein. Hessische Schülervertreter wollen deshalb nicht länger hinnehmen, dass das in der Schule weiterhin "Kreidezeit" herrscht.

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Computer-Arbeitsplatz in Schule

(Bild: dpa, Friso Gentsch/Symbol)

Die Landesschülervertreter in Hessen fordern eine Aufhebung des Handy-Verbots an Schulen. "Heute besitzt so gut wie jeder Schüler ein Smartphone. Da ist ein Verbot nicht mehr angemessen", sagte Landesschulsprecher André Ponzi der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. Nach dem hessischen Schulgesetz kann jede Schule ihre eigene Regelung zum Umgang mit Mobiltelefonen treffen.

"Gerade in Sachen Digitalisierung muss die Schule auf das reale Leben und den Beruf vorbereiten", forderte Ponzi. Da sei eine gezielte Einbindung des Smartphones in den Unterricht eine logische Konsequenz. "Immer mehr Jobs werden digitaler, warum nicht auch die Schule?"

In der Ende 2015 von der Deutschen Telekom Stiftung vorgelegten Studie "Schule digital" fand sich Hessen auf den hinteren Plätzen wieder [PDF]. Demnach gestaltet weniger als ein Viertel der Lehrer den Unterricht wenigstens einmal pro Woche mithilfe digitaler Technologien.

In der Nachfolgestudie von 2016 [PDF] hat sich die Lage nur geringfügig gebessert: Hier sperrten sich immer noch 63 Prozent der Pädagogen gegen die regelmäßige Nutzung digitaler Medien. Die Schülervertreter sind mit dieser Situation unzufrieden.

Telekom-Studie: Schule digital (2 Bilder)

Der Studie der Telekom Stiftung zufolge lag 2015 Bayern bei der Nutzung digitaler Medien ganz oben – und Hessen wurde fast am Ende der Skala.

"Natürlich bringt es nichts, ein Smartboard aufzustellen und keiner weiß damit umzugehen", sagte Ponzi und nannte das Beispiel seiner Schule in Griesheim (Kreis Darmstadt-Dieburg). Dort habe ein junger Lehrer Kurse für die Kollegen angeboten. "Das wäre aber nicht seine Aufgabe gewesen." Hier seien passende Fortbildungen gefragt, für die aber nicht jeder Lehrer Zeit habe.

Um ein Ende der "Kreidezeit" in Deutschlands Klassenzimmern bemühen sich derzeit auch Bund und Länder. Ende Januar haben sie Verhandlungen über die Zukunft der digitalen Bildung aufgenommen. Nach Plänen von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) sollen alle 40 000 Schulen innerhalb von fünf Jahren mit IT-Infrastruktur für insgesamt fünf Milliarden Euro ausgerüstet werden. Während der Bund das Geld ab 2018 zur Verfügung stellen will, sollen sich die für Schulpolitik zuständigen Länder etwa um pädagogische Begleitung und technische Standards kümmern. (ghi)

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