Schützenhilfe für Musik-Dienst Weblisten

Die niederländische Entsprechung für die GEMA hat erklärt, man sehe keine Probleme in den Aktivitäten des umstrittenen spanischen Musik-Dienstes Weblisten.com.

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Von
  • Gerald Himmelein

Die niederländische Verwertungsgesellschaft Buma/Stemra hat öffentlich erklärt, sie sehe in den Aktivitäten des umstrittenen Musik-Dienstes Weblisten.com kein Problem. Im Gegenteil -- ein Sprecher der Buma/Stemra pries den Dienst sogar offen. "Sie haben Erfolg, wo andere gescheitert sind: Abkommen mit allen Parteien zu unterzeichnen." Freilich ist die Buma/Stemra kein Sprachrohr der Plattenindustrie -- die hingegen feuert seit Monaten aus allen Rohren gegen Weblisten.

Der spanische Dienst bietet seit Ende 1997 MP3-Titel von diversen Künstlern und Labels zum Download an, und dies ganz legal, wie der Geschäftsführer des Unternehmens versichert. Dazu hat Weblisten vor drei Jahren Verträge mit den spanischen Verwertungsgesellschaften AIE und SGAE geschlossen -- die erste vertritt die Musiker, die zweite die Komponisten und Liedtexter. Die Verträge sehen prozentuale Abführungen von Weblisten an die Verwertungsgesellschaften vor, die heise online vorliegenden Rechnungsbelegen zufolge auch regelmässig abgeführt werden. Insgesamt hat der Konzern den Verwertungsgesellschaften bisher 185.000 Euro gezahlt, das seien knapp 28 Prozent des Gesamtumsatzes.

Bei Weblisten können sich nicht nur die Preise sehen lassen. Mittlerweile umfasst das Angebot über 125.000 Titel aus allen Musikrichtungen. Hier findet man, was man bei Popfile.de und anderen kommerziellen Diensten vergeblich sucht: Eine reiche Auswahl an MP3-Dateien ohne DRM-Fesseln, die alle Labels umfasst, statt auf den Katalog der jeweiligen Konzernmutter beschränkt zu sein.

Genau aus diesem Grund scheint das Angebot den Plattenfirmen ein Dorn im Auge zu sein. Sowohl die deutsche als auch die spanische Zweigstelle der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) sehen in Weblisten.com ein illegales Angebot. Dem Dienst würden die zum Vertrieb der Downloads nötigen Exklusivrechte fehlen -- die gibt es nur direkt bei den Labels.

Verträge mit den Plattenfirmen besitzt der Download-Dienst tatsächlich nicht, wie Jaime Bernabé von Weblisten auch frei zugibt. Man zahle jedoch regelmässige Abgaben an die Verwertungsgesellschaft AGEDI (Asociación de Gestión de Derechos Intelectuales), die spanische Entsprechung zur GVU (Gesellschaft für die Verwaltung von Urheberrechten), die von der AIE kommissarisch entgegengenommen werden. Nach spanischer Gesetzeslage sei ein solches Vorgehen durchaus legal, versichert Bernabé.

Carlos Grande, der Vorsitzende des spanischen IFPI-Ablegers AFYVE (Asociación Fonográfica y Videográfica Española) will davon nichts wissen. Seit März 1998 prozessiert AFYVE gegen Weblisten.com, bislang ohne Erfolg -- die Eröffnung des Hauptverfahrens wird erst für 2003 erwartet. Für den Download-Dienst stehen die Karten wohl nicht schlecht: In einer Voranhörung wies ein Richter den Antrag der AFYVE auf eine einstweilige Verfügung schnell ab. Seitdem liefern sich die Streitparteien in der spanischen Presse eine Publicity-Schlammschlacht, bei der die AFYVE schon mal unter die Gürtellinie zielt und versucht, Weblisten Verbindungen zu kriminellen Machenschaften anzudichten.

Beobachter sehen dem wilden Treiben kopfschüttelnd zu: Wieder mal scheint die Musikindustrie sich ins eigene Fleisch zu schneiden. Die Plattenfirmen tun sich schwer damit, ihre veralteten Verträge aus der "vordigitalen Ära" auf die derzeitigen Gegebenheiten zu aktualisieren. Aber auch die Rechtslage müsste sich ändern: Weblisten.com müsste in jedem Land, aus dem es Nutzer annimmt, Verträge mit jeder dort ansässigen Plattenfirma abschließen, um nach derzeitigem deutschem Recht ein einwandfreies Angebot bieten zu können.

Statistiken von Weblisten.com zufolge wird der Dienst zu 60 Prozent von Spaniern genutzt; Nordeuropäer folgen mit 20 Prozent -- für Holländer gibt es sogar eine spezielle "Dutch Zone". 10 Prozent der Nutzer stammen aus Deutschland, die restlichen 10 Prozent aus Australien und den USA -- es hat sich also sogar bis in die Vereinigten Staaten herumgesprochen, dass Weblisten etwas schafft, was die großen Plattenkonzerne erst für die unbestimmte Zukunft versprochen haben. (ghi)