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Schul-Portal Ella: Baden-Württemberg verpatzt den Start seiner Bildungsplattform

Am Montag sollte das millionenschwere Portal für "elektronische Lehr- und Lernassistenz" mit 100 Schulen in Baden-Württemberg in den Testbetrieb gehen. Dass daraus wegen technischer Probleme nichts wird, erzürnt die Kultusministerin.

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Schul-Portal Ella: Baden-Württemberg verpatzt den Start seiner Bildungsplattform

(Bild: Kultusministerium Baden-Württemberg )

Die grün-schwarze Regierung in Baden-Württemberg will mit der Bildungsplattform für "elektronische Lehr- und Lernassistenz" (Ella) an den anderen Bundesländern vorbeiziehen und die Digitalisierung im Schulsektor im "Ländle" entscheidend voranbringen. Doch das Prestigeprojekt kann nicht plangemäß zum Beginn des zweiten Schulhalbjahres 2017/18 am Montag starten, was die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann mit ungewohnt harschen Worten kritisiert. Die CDU-Politikerin spricht von "massiven technischen Problemen" und einem "höchst unerfreulichen Vorgang", der ein schlechtes Licht auf das Image der Digitalisierungsstrategie des Landes werfe.

Verärgert ist Eisenmann vor allem über die kurzfristige Ansage der für den technischen Betrieb von Ella verantwortlichen Landesoberbehörde IT Baden-Württemberg (BITBW) und dem IT-Dienstleister Kommunale Datenverarbeitung Baden-Franken (KIVBF), dass der Starttermin nicht zu halten sei. Ihr Haus sei erst am Donnerstagabend darüber informiert worden, was "uns kalt erwischt hat" und "entgegen aller Zusagen erfolgt". Die beiden Technikpartner hätten in den vergangenen Wochen und Tagen fortlaufend zugesichert, dass sie nicht mit Verzögerungen rechneten. Erst vor wenigen Tagen habe eine Dienstbesprechung mit den 100 Schulen, die an der Testphase teilnehmen sollen, in der Stuttgarter Staatsgalerie stattgefunden.

BITBW-Präsident Christian Leinert zeigte laut SWR Verständnis für die Schelte. Als Grund für den Aufschub nannte er, dass die Plattform habe erweitert und ein zweiter Standort für das Rechenzentrum zur Ausfallsicherheit eingerichtet werden müssen. Deswegen seien die Leistungen des Systems derzeit unbefriedigend. Bei einer größeren Zahl von Anmeldungen oder Anfragen verzögerten sich die Antwortzeiten bis hin zu Verbindungsabbrüchen.

An Ella sollen im Regelbetrieb 5000 Schulen mit rund 1,5 Millionen Nutzern angeschlossen werden. Dem Plan nach wird ein zentrales Identitätsmanagement die Zugriffsberechtigungen auf der Plattform steuern und es ermöglichen, dass Lehrkräfte sowohl innerhalb ihrer Schule als auch landesweit mit Kollegen zusammenarbeiten und sich austauschen. Schüler sollen die Möglichkeit bekommen, innerhalb ihrer Schule und mit ihren Lehrern digital zu kommunizieren. Vorgesehen ist eine 2-Faktor-Authentifizierung, um Daten vor unbefugten Zugriffen zu schützen.

Alle Lehrkräfte sollen im Rahmen der Initiative erstmals auch eine landesweit einheitliche dienstliche E-Mail-Adresse erhalten. Für die Unterrichtsgestaltung wird das Lernmanagementsystem Moodle nebst Dakora-Erweiterung in das browserbasierte, modulare System integriert. Bildungsmedien sollen etwa über die weiterentwickelte Sesam-Mediathek des Landesmedienzentrums eingebunden werden. Neben einer Mail- und Kalenderfunktion zählen zum Startpaket ein Cloudspeicher, eine Online-Office-Suite sowie eine Videokonferenzfunktion.

Baden-Württemberg finanziert den Aufbau der Plattform und will im Rahmen der Einführungsphase auch die Betriebskosten vorstrecken, bis Ella in die kommunale Verantwortung überführt wird. Im Landesetat sind dafür bis 2020 rund 24 Millionen Euro vorgesehen.

Für die Schulen, die bereits in den Startlöchern stünden, sei der Fehlstart ein Dämpfer, ärgerte sich Eisenmann. Sie erwartet von der BITBW und dem KIVBF nun "einen belastbaren Zeitplan", bis wann die Plattform zum Laufen gebracht werden kann. Laut "FAZ" will die Christdemokratin nach dem Rückschlag nicht zur Tagesordnung übergehen und hat daher den IT-Beauftragten im Ministerium für Inneres und Digitales, Stefan Krebs, zu einem Gespräch gleich am Montag einbestellt. Prinzipiell sind Verzögerungen bei IT-Großprojekten keine Seltenheit. (jow)

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