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Schuldenatlas 2010: 6,5 Millionen können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen

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Die Top-Ten der Städte mit den meisten überschuldeten Personen.

(Bild: Creditreform)

6,49 Millionen Deutsche über 18 Jahre haben aktuell so hohe Schulden, dass sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Die Zahl der Betroffenen ist damit innerhalb eines Jahres laut dem "Schuldenatlas 2010" (Creditreform) um mehr als 300.000 gestiegen. Über 55 Prozent (3,61 Millionen) der überschuldeten Personen hierzulande haben auch schon mit juristischen Folgen wie einer eidesstattlichen Versicherung oder einer Privatinsolvenz zu kämpfen. Trotzdem betrachten die Experten dies als gutes Ergebnis: Man habe aufgrund des Wirtschaftseinbruchs eine deutlich stärkere Verschlechterung der Überschuldungssituation in Deutschland erwartet.

Überdurchschnittlich stark fiel der Anstieg der Überschuldung der Statistik zufolge in Sachsen-Anhalt (plus 0,53 Prozentpunkte gegenüber 2009) sowie im Saarland und in Berlin (jeweils plus 0,51 Prozentpunkte) aus. Um einen vergleichsweise geringen Anteil ist die Schuldnerquote in Bremen gestiegen (plus 0,21 Prozentpunkte) – allerdings weist die Hansestadt bereits die höchste Quote aller Bundesländer auf (14,13 Prozent). Am niedrigsten ist die Schuldnerquote derzeit in Bayern (7,06 Prozent), Baden-Württemberg (7,46 Prozent) und Sachsen (8,37 Prozent).

Wie Creditreform weiter mitteilt, nimmt vor allem die Zahl der weiblichen Schuldner zu. Zwar stellen Männer hier immer noch die Mehrheit, allerdings ist ihr Anteil seit 2004 von 68,0 auf 61,3 Prozent zurückgegangen, während der der Frauen stetig steigt. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Zahl der überschuldeten Frauen allein 2010 um 11,4 Prozent. Auch in Bezug auf das Alter gibt es klare "Trends": So liegt die Schuldnerquote bei Personen in der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre mit 13,29 Prozent zwar weiterhin am höchsten, allerdings nimmt ihre Zahl jedes Jahr weiter ab. Anders sieht es bei den jungen Verbrauchern aus: Von den 20 bis 29-jährigen Einwohnern Deutschlands gelten mittlerweile 10,75 Prozent als überschuldet – mit steigender Tendenz. Einen Anstieg der Schuldnerquote verzeichnen auch die Altersgruppen der unter 20-Jährigen sowie ältere Personen über 70 Jahre.

Als Hauptauslöser für die Überschuldung gilt vor allem der Verlust des Arbeitsplatzes. Auch lasse die gestiegene finanzielle Belastung der Verbraucher – etwa für Gesundheit und Altersvorsorge sowie für Miete und Nebenkosten – einfach weniger Spielraum, um bestehende Kreditverpflichtungen erfüllen zu können, so die Experten von Creditreform. Das Anziehen der Konjunktur seit diesem Frühjahr ist der Sache aber offensichtlich auch nicht förderlich: die positiven Signale haben zu einem wieder lockereren Ausgabeverhalten geführt, das neue Kreditverpflichtungen nach sich zieht. Eine Verbesserung der Überschuldungssituation halten die Finanzexperten daher zumindest in den nächsten zwei Jahren für ausgeschlossen.

Parallel dazu ist auch die Zahl der Unternehmensinsolvenzen weiter angestiegen, das teilte das Bundesamt für Statistik mit. Im August 2010 meldeten die deutschen Amtsgerichte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 2.660 Unternehmensinsolvenzen. Das waren 1,6 Prozent mehr als im August 2009. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Zeitraum Januar bis August beläuft sich auf 21.888 und damit auf 0,4 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die voraussichtlichen offenen Forderungen der Gläubiger (B2B und B2C) bezifferten die Gerichte allein für August 2010 auf 4,1 Milliarden Euro gegenüber 4,3 Milliarden Euro im August 2009. (map)