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Schwacher Speichermarkt: Rangfolge der Chipfirmen ändert sich

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Der starke Umsatzeinbruch bei den Speicherchips wirkt sich deutlich auf die Rangfolge der weltweit umsatzstärksten Halbleiterfirmen aus. Zwar hat sich nach einer Schätzung der US-Marktforscher von IC Insights die Spitze der Tabelle nicht verändert, dort führen nach wie vor Intel, Toshiba und NEC. Doch die stärker vom DRAM-Verkauf abhängigen Firmen wurden im Jahr 2001 arg gebeutelt: Samsung rutschte mit 52 Prozent Umsatzeinbruch von Platz vier auf Platz sechs, Hynix fiel vom neunten Rang ganz aus der Top-Ten-Liste heraus. Dadurch konnte Infineon, trotz etwa einem Drittel weniger Umsatz, sogar einen Platz gut machen und liegt jetzt an neunter Stelle und damit knapp vor Philips.

Insgesamt werden die zehn Marktführer laut IC Insight in diesem Jahr rund 73,6 Milliarden US-Dollar Umsatz einfahren, das entspricht etwas mehr als der Hälfte des gesamten von der SIA geschätzten Weltmarktes. Im Vergleich zum letzten Jahr schrumpfte der Umsatz der Führungsgruppe insgesamt um 32 Prozent, damals sahnten die Spitzenreiter mit 108,6 Milliarden Dollar weniger als die Hälfte des Gesamtmarktes von 222,1 Milliarden US-Dollar ab und ließen mehr für die große Masse der kleineren Chipfirmen übrig. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die Umsatzeinbrüche der weniger großen Hersteller müssen noch größer gewesen sein als die der Marktführer.

Die Führungsposition von Intel ist unerreichbar. Nach der IC-Insight-Studie nimmt das Unternehmen in diesem Jahr mit 22,725 Milliarden US-Dollar zwar 23 Prozent weniger ein als im Rekordjahr 2000, hat damit aber immer noch rund dreimal mehr als der zweitgrößte Anbieter Toshiba mit 7,22 Milliarden US-Dollar. Die weitere Rangfolge ist eng gestaffelt: NEC folgt mit 6,95 Milliarden, dann kommt Texas Instruments mit 6,67 Milliarden US-Dollar und auf dem fünften Platz steht STMicroelectronics. Die Europäer rutschten mit vergleichsweise geringen Umsatzeinbußen von nur 19 Prozent auf 6,32 Milliarden US-Dollar zwei Plätze auf der Rangliste nach oben.

Bei Samsung war es genau anders herum, mit 5,1 Milliarden US-Dollar liegen die Südkoreaner nur noch um 155 Millionen US-Dollar vor Motorola. Hitachi hielt mit ebenfalls 37 Prozent Umsatzrückgang auf 4,68 Milliarden US-Dollar den achten Platz vor Infineon mit 32 Prozent Schrumpfung auf 4,635 Milliarden US-Dollar. Philips schaffte mit 4,36 Milliarden US-Dollar den Sprung in die Top-Ten-Liste von Platz 12.

Die aktuelle Marktentwicklung könnte diese Rangfolge sehr bald ändern. Bekanntlich sprechen Infineon und Toshiba zurzeit über eine Zusammenlegung der DRAM-Sparten, wie es Hitachi und NEC ja schon mit Elpida vorgemacht haben. Auch der US-Speicher-Marktführer Micron und die angeschlagene Hynix tüfteln Fusionspläne aus.

Unter den zehn Weltmarktführern sind fast ausschließlich Firmen aus den USA, Japan und Europa, nur Samsung kommt aus Südkorea. Die aufstrebenden taiwanischen Chipfirmen liegen noch deutlich dahinter. Nach Angaben des staatlichen taiwanischen Industrial Technology Research Institute führen die beiden Chip-Foundries TSMC und UMC (in dieser Reihenfolge) die Rangliste des Inselstaates an, danach kommen VIA, Winbond und Macronix. Die Speicherfimen Powerchip Semiconductor und Nanya liegen an achter und zehnter Stelle. VIA hat allerdings bekanntlich keine eigenen Fabriken, sondern lässt vorrangig bei TSMC fertigen. Nanya und VIA gehören beide zum Industriekonglomerat Formosa Plastics.

Unterdessen verbreitet Intel leichten Optimismus und erwartet jetzt zwischen 6,7 und 6,9 Milliarden US-Dollar Quartalsumsatz, statt wie zuvor zwischen 6,2 und 6,8 Milliarden. Das liegt ganz im Einklang mit den neuesten SIA-Zahlen.

Allerdings sind die Zeiten für Rekordumsätze wie noch im letzten Jahr zunächst einmal vorbei, auch bei den Anlagenherstellern für die Halbleiterindustrie. IC Insight hat auch zu diesem Thema eine interessante Studie veröffentlicht: Nur noch neun Chipfirmen wollen im kommenden Jahr mehr als 1 Milliarde US-Dollar in neue Anlagen investieren. Im laufenden Jahr waren es noch 13 Firmen, im Jahr 2000 sogar 17.

Auch bei der Investitionsfreude steht Intel vorne: Nach rund 6,7 Milliarden US-Dollar in 2000 und 7,5 Milliarden in diesem Jahr sollen 2002 noch 4,5 Milliarden US-Dollar in die Chipfabriken fließen. Intel stellt praktisch die gesamte Prozessor-Volumenfertigung auf 0,13-µm-Technik um, die Amerikaner kaufen auch Equipment für 300-mm-Wafer.

An zweiter Stelle folgt die taiwanische Chip-Foundry TSMC, die im letzten Jahr 5 Milliarden US-Dollar in ihre Fabs steckte, im laufenden Jahr nur noch 2 Milliarden und nächstes Jahr 1,5 Milliarden. Speicherchip-Spezialisten wie Samsung und Micron gehören auch zu den Groß-Investoren, die Südkoreaner gaben letztes Jahr noch 3,1 Milliarden für neue Anlagen aus, in diesem Jahr 1,8 und nächstes Jahr 1,3 Milliarden US-Dollar. Bei Micron werden es in diesem Jahr noch 1,4 Milliarden US-Dollar sein, im kommenden Jahr dann nur 800 Millionen US-Dollar. Infineon plant 50 Millionen mehr, was der Hälfte der Ausgaben in diesem Jahr entspricht. AMD will nächstes Jahr 900 Millionen US-Dollar ausgeben, nach einer runden Milliarde in diesem Jahr. (ciw)