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Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße wird offenbar hungriger

Bei mehreren Beobachtungen im Frühjahr erschien die direkte Umgebung des Schwarzen Lochs deutlich heller als zuvor. Was dahinter steckt, ist noch unklar.

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Sagittarius A*, aufgenommen vom Röntgenteleskop Chandra der NASA

(Bild: NASA)

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Sagittarius A*, das gigantische Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße, verschlingt gegenwärtig ungewöhnlich viel Gas und Materie. Das haben Forscher der Universität von Kalifornien in Los Angeles ermittelt und nach eigenen Angaben noch keine Erklärung für den Hintergrund. Möglich sei ein einmaliges Ereignis, bei dem in einem kurzen Zeitraum besonders viel in das Schwarze Loch stürzte, oder aber auch der Anfang einer aktiveren Periode im Lebenszyklus des Objekts. Weitere Beobachtungen sollen nun dabei helfen, diese Frage zu beantworten.

Auffällig waren demnach Beobachtungen des Schwarzen Lochs während vier Nächten im April und Mai dieses Jahres. Die Wissenschaftler waren demnach verblüfft über die extremen Unterschiede in der Helligkeit, mit einem Maximum am 13. Mai. Das Schwarze Loch sei damals doppelt so hell gewesen, wie beim bisherigen Maximum. Am Anfang hätten die Forscher das Schwarze Loch sogar mit einem nahen Stern verwechselt, erklärt Tuan Do von der Universität. Insgesamt haben die Astronomen 13.000 Beobachtungen aus den Jahren seit 2003 verglichen.

Das nun beobachtete Flackern Quelle: University of California/Los Angeles

Die Forscher haben derzeit gleich mehrere Hypothesen, um diese ungewöhnlichen Beobachtungen zu erklären, denn das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße ist "normalerweise ein ziemlich ruhiges, schwächliches Schwarzes Loch auf Diät", wie Andrea Ghez erklärt. Nun könnte es vergangenen Sommer aber von einem besonders nahen Stern Gase entrissen haben, die am Ereignishorizont ankommen und vor dem Eintritt extrem erhitzt werden. Ähnliches könnte auch bei einer anderen Sternenannäherung passiert sein. Auch große Asteroiden könnten in das Schwarze Loch stürzen und vorher extrem hell erstrahlen.

Gefahr für die Menschheit besteht jedenfalls nicht, erklären die Forscher. Sagittarius A* ist 26.000 Lichtjahre von uns entfernt und damit die dort erzeugte Strahlung Einfluss auf hiesiges Leben nehmen könnte, müsste sie zehn Milliarden mal so stark sein. Eine Analyse ihrer aktuellen Forschung haben die Wissenschaftler nun in den Astrophysical Journal Letters veröffentlicht. Die extremen Verhältnisse im Herzen der Milchstraße haben die Forscher bereits genutzt, um Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie ihrem bislang umfassendsten Härtetest zu unterziehen, den sie bestanden hat.

Aufnahme der Sterne am Schwarzen Loch über einen Zeitraum von fast 20 Jahren Quelle: ESO/MPE (Quelle: ESO/MPE)

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(mho)