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Schwedische Polizei beschlagnahmt Server von Untertitel-Webseite

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Die schwedische Polizei ist am Dienstag mit harten Bandagen gegen die Betreiber der Webseite Undertexter.se vorgegangen. Im Rahmen einer Razzia beschlagnahmten die Strafverfolger offenbar wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen neben Desktop-Rechnern die beiden Server der Plattform, auf der Fans eigene Übersetzungen von Filmdialogen bereitstellten. Die entsprechenden Untertitel konnten dabei als Textdateien heruntergeladen und in zugehörige Videos integriert werden.

Der Gründer des Angebots, Eugen Archy, sieht laut einer Mitteilung auf der derzeit nicht funktionsfähigen Seite den schwedischen "Piratenjäger" Henrik Pontén hinter der Aktion, den Rechtsanwalt der "Rechteallianz" des skandinavischen Landes. Er wirft "Hollywood" bei diesem "Überfall" aber vor, die falsche Karte gespielt zu haben.

Die Nutzer, die viel Arbeit in die Übersetzungen gesteckt hätten, betrachten Archy zufolge ihre eigenen Interpretationen von Dialogen in Kinofilmen oder Fernsehsendungen keineswegs als illegal, sondern als Ausdruck der Rede- und Meinungsfreiheit. Ferner sei zu bedenken, dass sie die Texte ohne Entgelt zur Verfügung gestellt hätten. Archy will daher "niemals aufgeben" und sich rechtlich zur Wehr setzen.

Scharfe Kritik an dem Vorgehen kommt auch von den Piraten. Die Unterhaltungsindustrie greife zu immer verzweifelteren Maßnahmen, um ein "obsolet gewordenes Copyright-Monopol" zu verteidigen, moniert die Chefin der schwedischen Piratenpartei, Anna Troberg. Damit werde Kreativität in gänzlich unverhältnismäßiger Form behindert. Sie wertet die Razzia gegen die Untertitel-Seite als weiteren Beweis dafür, dass das Urheberrechtssystem "von Grund auf" reformiert werden müsse.

Von einer "Eskalation im Krieg gegen das Teilen von Kultur und Wissen" spricht Rick Falkvinge, Gründer der "Piratpartiet". Er warnt in seinem Blog vor dem Aufkommen eines zweischichtigen Justizsystems, in dem der Copyright-Industrie zunächst von Anfang an standardmäßig das Recht nebst zugehörigen Privilegien und Durchsetzungsbefugnissen über die Staatsmacht zuerkannt werde. Für den Rest der Bevölkerung gelte nur noch ein Rechtsschutz zweiter Klasse. Die Polizei oder die Rechteallianz haben sich bislang nicht zu dem Fall geäußert.

Falkvinge verweist ferner auf einen Hinweis eines Lesers, wonach es in Polen jüngst einen ähnlichen Fall gegeben habe. Dabei seien sich juristische Experten einig gewesen, dass eine Übersetzung abgehörter Filmkonversationen und das Tauschen entsprechender Aufzeichnungen keinen Urheberrechtsverstoß darstelle. (mho)