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Schweiz: Fußballfans protestieren gegen E-Sport

In der Schweiz haben Fußballfans mit einem Protest gegen E-Sport das Spitzenspiel unterbrochen. Profi-Zocker hätten nichts mit den Werten des Fußballs zu tun.

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Schweiz: Fußballfans protestieren gegen E-Sport

(Bild: Free-Photos)

Fans haben das Spitzenspiel in der höchsten Schweizer Fußballliga am Sonntag mit einem Protest gegen verstärktes Engagement im E-Sport unterbrochen. Bei der Partie des amtierenden Meisters Young Boys Bern gegen den FC Basel (am Ende 7:1 für Bern) warfen Fans beider Mannschaften Tennisbälle und Controller aufs Feld und erzwangen damit eine Unterbrechung, berichtet Sportschau.de. Dazu entrollten die Stadionbesucher unter dem Motto "eSport dr Stegger zieh" ein riesiges Banner mit der Darstellung eines "Pause"-Knopfs. Bei den Fans des FC Basel hieß es gleichzeitig "Mir kämpfe ohni Pause".

Hintergrund des Protests ist das immer stärkere Engagement von Sportvereinen im E-Sport, denn wie in Deutschland haben auch in der Schweiz erste Vereine dafür eigene Abteilungen gegründet. Inzwischen gibt es sogar Gerüchte, dass der Fußballverband der Schweiz im kommenden Jahr eine eigene E-Sport-Liga gründen will. Jeder Verein soll verpflichtet werden, sich daran zu beteiligen, heißt es. Dagegen werde er kämpfen, erklärt der Fanklub Ostkurve Bern auf Facebook, denn dies habe mit dem eigenen Sport und den Werten des Vereins rein gar nichts zu tun: "Hier geht es nur um den Profit!"

Der Fanklub kritisiert in dem Eintrag, dass Kinder öfter zuhause vor den Konsolen sitzen, anstatt sich mit Freunden sportlich zu betätigen. Fußball sei aber ein Mannschaftssport und kein Einzelsport. Außerdem solle ein Sportverein zu mehr Bewegung und sportlicher Betätigung anregen, was im E-Sport nicht erfolge. Darüber hinaus würden Kindern und Jugendlichen in Vereinen wichtige Werte wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und vor allem Freundschaft vermittelt. Das alles würde auf E-Sport nicht zutreffen.

Der BSC Young Boys hat sich inzwischen zu den Protesten geäußert und versichert, dass er für Anliegen der Fans immer ein offenes Ohr habe. In Bezug auf E-Sports verhalte sich der Verein "beobachtend und abwartend". Der Fußball auf dem Rasen bleibe aber selbstverständlich das Kerngeschäft und dafür werde er sich bedingungslos einsetzen. Der BSC wisse auch von keinen Absichten, dass den Vereinen künftig eine E-Sport-Abteilung vorgeschrieben werden solle.

Die Debatte über den Umgang klassischer Sportvereine mit E-Sports wird gegenwärtig nicht nur in der Schweiz geführt. In Deutschland etwa hat sich die Große Koalition darauf verständigt, dem Thema E-Sport zu mehr Bekanntheit verhelfen zu wollen. DFB-Präsident Reinhard Grindel hält davon aber absolut nichts. E-Sports ist für ihn kein Sport – dass Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit mit Videospielen verbringen sei eine "absolute Verarmung". Die Vorstellung, dass Computerspiele sogar einmal olympisch werden könnten, hält er für "absurd. (mho)

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