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Schweiz: Startschuss für Vergabe der 5G- Mobilfunkfrequenzen

In der Schweiz fiel der Startschuss für die Vergabe der Mobilfunkfrequenzen für das 5G-Netz. Mobilfunkanbieter können sich für die Versteigerung bewerben.

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Mobilfunkmasten

(Bild: dpa, Uwe Anspach)

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In der Schweiz wurde am Freitag vom Regulator, der Eidgenössischen Kommunikationskommission (Comcom), die Ausschreibung für die Vergabe von neuen Frequenzen für das künftige Mobilfunknetzwerk der 5. Generation eröffnet.

Die neuen Mobilfunkfrequenzen werden im Rahmen einer Auktion vergeben, die „voraussichtlich“ im Januar 2019 stattfindet. Die Versteigerung wurde – als sogenannte Clock-Auktion - so ausgestaltet, dass alle interessierten Firmen teilnehmen und die heutigen Betreiber-Frequenzen für den 5G-Rollout ersteigern können, erläutert das Comcom. Bis Anfang Oktober 2018 können alle Interessierten angeben, welche Frequenzblöcke sie gern erhalten würden.

Vergeben werden neue Frequenzen in unterschiedlicher Anzahl von Frequenzblöcken in den Bereichen 700 MHz, 1400 MHz, 2,6 GHz sowie 3,5 - 3,8 Ghz.

Im Vorfeld sorgte die eigentlich bereits fürs 2. Halbjahr 2018 beabsichtigte Frequenzauktion für Dissonanzen unter den drei grossen Schweizer Mobilfunkanbietern. Das hing zunächst vor allem mit dem ursprünglich beabsichtigten frühen Auktions- respektive 5G-Start zusammen.
Die Swisscom (zu 51 Prozent im Besitz der Eidgenossenschaft) hatte eigentlich vor, schon Ende 2018 mit 5G loszulegen. Die kleineren Schweizer Telcos Sunrise und Salt hingegen wollen erst 2020 das 5G-Netz flächendeckend anbieten.

Auch das Auktionsformat wurde von den kleineren Telcos bemängelt. Sie finden, dass die Auktionsregeln den finanzstärksten Anbieter (Swisscom) bevorteile. Daneben sorgt die vorgesehene Aufteilung der Frequenzbänder für Unmut, zumal die Comcom auch Bietbeschränkungen ("spectrum caps") in die Auktionsregeln aufgenommen hat. Damit soll sichergestellt werden, dass ein einzelner Bieter nicht die Mehrzahl der Frequenzen aufkaufen kann und andere Teilnehmer leer ausgehen.
Respektive will Comcom daneben auch absichern, dass insbesondere die drei bisherigen Betreiber Frequenzen in den für 5G besonders interessanten 700 MHz und 3,5 GHz Bändern erwerben können. Bei den besonders attraktiven FDD-Frequenzen im 700 MHz-Band hat die Comcom sogar den vom Bundesrat vorgegebenen Mindestpreis verdoppelt.

Sunrise und Salt forderten in der Vergangenheit ausserdem zuerst eine Lockerung der Strahlenschutzgrenzwerte, bevor die Frequenzen vergeben werden. Denn diese sind in der Schweiz zehnmal strenger angesetzt als in der EU. Damit werde die Einführung der neuen Mobilfunkgeneration 5G behindert, beklagten die Telekomunternehmen wiederholt. Denn die tiefen Grenzwerte machen den Bau von zusätzlichen Antennen nötig, um eine bessere Abdeckung mit 5G-Mobilfunk zu erreichen. Anfang März diesen Jahres hatte jedoch die kleine Kammer des Schweizer Parlaments, der Ständerat, zum zweiten Mal abgelehnt, Grenzwerte für Mobilfunkanlagen heraufzusetzen.

Mit Beginn des kommenden Jahres sollen sie dennoch beginnen, die Versteigerungen der neuen Frequenzen. Wenn es denn für alle eine Nachfrage gibt – es gab auch schon Auktionen, an denen Frequenzen übrig blieben und an den Bund zurückgingen. Ansonsten beginnt das Bieterrennen um die Frequenzen überhaupt erst bei 220 Millionen Franken (rund 202 Mio. Euro)
Und begehrt werden sie wohl sein, die Frequenzen, zumal sie auch technologieneutral vergeben werden, betont Comcom und, je nach Netzplanung, sie auch mit Mobilfunktechnologien wie LTE-Advanced (LTE-A) genutzt werden können (übrigens bis Ende 2033).
"Frequenzen sind ein knappes, öffentliches Gut. Wer Frequenzen nutzen will, muss dafür Gebühren bezahlen" unterstreicht die Comcom und die Staatskasse wird sicherlich ordentlich Einnahmen verzeichnen.

Es sei jedoch nicht das Ziel der Comcom, einen möglichst hohen Auktionserlös zu erzielen, teilte diese mit. Im Vordergrund stehe eine gute Frequenzausstattung der Betreiber und eine gute Versorgung des Landes mit qualitativ hochstehenden Telecom-Dienstleistungen.
Mit der Durchführung der Ausschreibung hat Comcom das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) betraut. (bme)