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Schweizer “Crypto Valley”: E-Voting auf Blockchain-Basis in Zug

In der Hauptstadt des "Crypto Valley" können Bürger nun auf Blockchain-Basis abstimmen. Das e-Voting ergänzt die bereits eingeführte E-ID.

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Schweizer “Crypto Valley”: E-Voting auf Blockchain-Basis in Zug

Der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller scannt den QR-Code, um sich zur Abstimmung anzumelden.

(Bild: Stadt Zug)

In der kleinen Schweizer Stadt Zug können registrierte Einwohner seit Wochenanfang ein elektronisches Abstimmungsystem auf Blockchain-Basis nutzen. Die "e-Vote" setzt auf die von der Stadtverwaltung eingeführte E-ID ("digitale Identität") auf, über die mittlerweile 240 der 30.000 Einwohner der Stadt verfügen. Als erster Wähler nutzte der Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) das System.

In der Schweiz sind gegenwärtig auch zwei andere E-Votingsysteme in verschiedenen Kantonen im Testbetrieb. Im Gegensatz zu diesen Systemen läuft die Abstimmungsplattform in Zug nicht über einen zentralen Server, sondern Software und Daten sind verteilt auf zwei Schweizer und ein irisches Rechenzentrum sowie das Smartphone, auf dem eine App läuft.

Die Plattform wurde auf einem "Hyperledger Fabric" aufgebaut, einem "Private Permission Blockchain-System", das von der Linux Foundation gehostet wird. Entwickelt wurde das System von einer Partnerschaft um die Zuger Firma Luxoft und Koordinator Alexander Denzler, Dozent am Departement Informatik der Hochschule Luzern. Die verteilte IT-Struktur und modulare Software-Architektur mache das E-Votingsystem sicherer und weniger anfällig für unbemerkte Manipulationen, betonen die Entwickler.

"e-Vote" wurde in die von Consensys entwickelte, auf der Ethereum-Blockchain basierende Anwendung "uPort" für die Registrierung der digitalen Identität der Stadt Zug integriert. Luxoft setzt dabei laut eigenen Angaben eine "innovative Verschlüsselungstechnik" ein, welche einerseits die abgegebenen Stimmen anonymisiert und andererseits eine sichere Prüfung ermöglicht. Künftig will das Unternehmen auch den Quellcode der Plattform offenlegen. Mit einem Open-Source-System hofft es, der Blockchain beim E-Voting zum Durchbruch zu verhelfen und die Skepsis vieler Schweizer abzubauen.

Mit einer Testabstimmung will die Stadt Zug speziell wegen der aktuell laut werdenden
Befürchtungen hinsichtlich "E-Vote-Hacking" die sicherheitsrelevanten Aspekte der neuen Plattform überprüfen (Persönlichkeitsschutz, Abstimmungsgeheimnis, Unveränderbarkeit, Prüf- und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse). Stadtpräsident Müller jedenfalls war nach seiner schnell und einfach erledigten Abstimmung zufrieden und glaubt: "Beim dezentralen E-Voting sind die Datensouveränität und die Transparenz für die Abstimmenden am höchsten, weil eine individuelle Nachvollziehbarkeit besteht."

Bereits vor zwei Jahren erregte das beschauliche Innerschweizer Städtchen Zug mit einem ungewöhnlichen Novum internationale Aufmerksamkeit, als es als erste Gemeinde weltweit Bitcoins als reguläres Zahlungsmittel für bestimmte Leistungen der Stadtverwaltung akzeptierte. Ende vergangenen Jahres entschloss sich die Stadtverwaltung in seiner Digitalisierungsstrategie einen Schritt weiter zu gehen und eine Blockchain-basierte digitale Identität (E-ID) für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt anzubieten.

Schon damals war geplant, ein "offenes Ökosystem" rund um die E-ID aufzubauen. Die digitale Identität soll laut Stadtpräsident Müller zu guter Letzt auch "Anwendungen im täglichen Leben" dienen, als da etwa wären: Nutzung städtischer Fahrräder, ein digitalisiertes Park-Management oder das Ausleihen von Büchern ohne Bibliotheksausweis. Das alles und mehr wird evaluiert und soll bald auf Basis der digitalen Identität nutzbar sein.

Bei dem Blockchain-Voting handelt sich um eine sogenannte Konsultativabstimmung, mit Fragen ohne tatsächlich politisch relevante Themen, die aber dem Stadtrat dennoch wertvolle Hinweise aus der Bevölkerung geben könnten. Sie ist nicht rechtlich bindend wie eine ordentliche Volksabstimmung. Noch bis zum 1. Juli können Inhaber einer E-ID der Stadt Zug an der Abstimmung teilnehmen. Die Test-Wahl soll in den nächsten zwei Monaten ausgewertet werden. Über die Resultate wollen die Projektpartner nach den Sommerferien Mitte August informieren. (Tom Sperlich) / (vbr)

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