Schweizer Mobilfunker senken Terminierungsentgelte

Die drei Mobilfunknetzbetreiber der Schweiz senken die Entgelte für die Gesprächsvermittlung in ihre Netze um bis zu 50 Prozent und passen sie somit dem europäischen Niveau an. Ob auch die Kunden profitieren, bleibt abzuwarten.

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Die drei Mobilfunknetzbetreiber in der Schweiz haben sich auf eine Senkung ihrer Terminierungsentgelte um bis zu 50 Prozent geeinigt. Das haben die Unternehmen Swisscom, Sunrise und Orange am Donnerstag mitgeteilt. Terminierungsentgelte sind Gebühren, die sich die Anbieter untereinander für die Vermittlung von Gesprächen in ihre Netze verrechnen.

Dabei muss sich erst zeigen, ob und wie die Netzbetreiber die Preissenkung auch an ihre Kunden weitergeben. Sunrise hält sich in diesem Punkt noch bedeckt. Swisscom will hingegen auch die Preise für Privat- und Geschäftskunden anpassen. Genaue Konditionen würden derzeit erarbeitet. Orange erwartet, dass sich die Senkung der mobilen Terminierungsgebühren auch "in den Gesprächstarifen der Festnetzanbieter bei Anrufen auf Mobilfunknummern niederschlägt."

Daran glaubt im besten Fall auch Telecom-Experte Ralf Beyeler vom Internet- Vergleichsdienst comparis.ch. Insgesamt hält er die neuen Entgelte für angemessen, erwartet aber, dass die Preissenkung an die Konsumenten kaum weitergegeben wird. "Swisscom wird wohl die Tarife für Anrufe vom Festnetz auf Handys senken. Die Mobilfunkanbieter dürften die Tarife für Anrufe in fremde Handynetze hingegen nicht oder kaum senken", sagt Beyeler.

Über die Terminierungsentgelte zum Festnetz hatte Swisscom zuvor bereits mit dem Festnetzanbieter VTX verhandelt, der im Februar 2010 beim Schweizer Regulierer ComCom auf Senkung der Terminierungsgebühren geklagt und die Verhandlungen damit ins Rollen gebracht hatte. Niedrigere Mobil-Terminierungsentgelte hatte auch der Anbieter Verizon gefordert. In der Folge nahm Swisscom Gespräche mit VTX und Verizon sowie Sunrise und Orange auf.

Swisscom sagte zu, ihren beiden Mitbewerbern ab 1. Oktober 2010 nur noch 8 Rappen (6,2 Cent) statt bisher 14 Rappen (10,9 Cent) pro Minute zu berechnen. Am 1. Januar 2011 sinken die Gebühren weiter auf 7 Rappen (5,4 Cent) pro Minute. Sunrise und Orange senken zeitgleich ihre Terminierungsgebühren von 17 (13,2 Cent) auf 10 Rappen (7,8 Cent) respektive auf 8,75 Rappen (6,8 Cent) pro Minute (1. Januar 2011).
Der Preisunterschied bei den MT-Gebühren wird als „Asymmetrie“ bezeichnet und erklärt sich als Folge des größeren Marktanteils von Swisscom.

Swisscom verweist darauf, dass Entgelte nun auf das in Europa übliche Niveau sinken würden. Sunrise stellte heraus, dass insbesondere die ausländischen Telekomunternehmen von niedrigeren Entgelten bei Anrufen in die Schweiz profitieren könnten. Gleichzeitig warnte das Unternehmen, die Einigung würde auch zu weniger Umsatz und Gewinn führen, da die Einnahmen aus Terminierungsentgelten massiv zurückgehen würden.

Die Höhe der Terminierungsentgelte richtet sich nach den unterschiedlichen Marktanteilen der Anbieter und dem entsprechenden Gesprächsaufkommen. Unterm Strich rufen mehr Orange- oder Sunrise-Kunden ins Swisscom-Netz an als umgekehrt. In den vergangenen Jahren waren diese Gebühren bereits erheblich gesenkt worden.

(vbr)