Schweizer Musikindustrie verschickt "letzte Warnungen" an Tauschbörsenteilnehmer

In ihren Instant Messages, die Filesharer auf ihren Monitoren zu sehen bekommen, weist die IFPI Schweiz unter anderem auf rechtliche Konsequenzen hin.

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Von
  • Andreas Wilkens

Schweizer Filesharing-Nutzer erhalten seit heute Instant Messages der Schweizer Landesgruppe der International Federation Of Producers Of Phonograms And Videograms (IFPI). Diese öffnen sich laut Interessenverband der Musikindustrie automatisch am Bildschirm jener Internetnutzer, die eine Tauschbörse aufsuchen. Die Instant-Messages sind als letzte Warnung gedacht, bevor gegen den unerlaubten Vertrieb von Musikdateien im Internet konsequent durchgegriffen werde, schreibt die IFPI Schweiz, denn ab Mitte November will sie "konsequent durchgreifen". Näheres dazu will sie noch in Pressekonferenzen bekanntgeben.

In der Instant Message der IFPI heißt es: "Sie bieten geschützte Musikfiles ohne Zustimmung der Rechteinhaber über eine Internet-Tauschbörse an. Wir freuen uns über Ihr Interesse an Musik – aber warum ignorieren Sie die Rechte jener Urheber, Künstler und Labels, die diese Musik geschaffen haben?" In der Schweizer Musikwirtschaft gebe es mehr als 30.000 Beschäftigte. Illegale Angebote in Tauschbörsen gefährdeten die wirtschaftliche und künstlerische Existenz der am Musikschaffen Beteiligten. Weiter weist die IFPI auf die Artikel 62, 67 und 69 des Urheberrechtsgesetzes hin, nach denen auf das unerlaubte Anbieten von Musik im Internet Schadensersatzforderungen und strafrechtliche Sanktionen folgen könnten. Tauschbörsenteilnehmer seien nicht anonym, heißt es weiter in der elektronischen Botschaft, und könnten über gerichtliche Anträge zur Rechenschaft gezogen werden.

Bereits im März 2004 hatte die IFPI Schweiz angekündigt, ohne Vorwarnung rechtliche Schritte gegen Filesharer einleiten zu wollen. Drei Monate später bilanzierte die Musikindustrie, sie sei seit 1999 gegen etwa 1300 Privatpersonen wegen Online-Musiktauschs vorgegangen und habe mit etwa 800 Vergleiche geschlossen. Seinerzeit hieß es auch, mit spezieller Software werde der Datenverkehr nach "auffälligen Bewegungen von MP3-Dateien" abgesucht und die IP-Adresse des Nutzers ermittelt. Für jeden ihrer Meinung nach illegal erworbenen Titel berechnet die IFPI Schweiz 1 Franken (0,65 Euro). Im Nachbarland Österreich verschickt die IFPI seit etwa einem Jahr Warnungen per Instant Messaging. (anw)