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Telepolis

Schweizer Piratenpartei gegründet

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Am Sonntagnachmittag gründete sich in der Ofenhalle in Zürich eine eidgenössische Piratenpartei. Ihre Statuten unterscheiden sich wenig von denen der anderen Piratenparteien, die es mittlerweile in 16 Ländern von Schweden bis Argentinien gibt. In der Gründungsversammlung wurde betont, dass man weder rechts noch links, sondern "vorne" stehe und keine Ein-Themen-Partei, sondern eine "für die Informationsgesellschaft" sei. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) sprach dagegen von "Totengräbern der Kultur".

Nach dem Gründungsakt wurde ein Vorstand gewählt. Die Kandidatenliste dafür war IT-dominiert, enthielt allerdings auch Vertreter aus anderen Bereichen in denen "geistige Eigentumsrechte" zunehmend für Probleme sorgen. Präsidenten der neuen Partei wurde der Informatikstudent Denis Simonet, der sich mit 65 zu 44 Stimmen gegen den ShareReactor-Miterfinder Christian Riesen durchsetzte. Der aufgrund rechtlicher Konflikte um den P2P-Index berühmte, aber umstrittene Riesen unterlag auch im Rennen um das Amt des Vizepräsidenten gegen den überraschend angetretenen Pascal Gloor.

Als Aktuarin setzte sich die Bauerstochter Moira Brülisauer mit erfrischend offenen Stellungnahmen im ersten Wahlgang gegen den Systemtechniker Marc Rubin durch. Sympathiepunkte sammelte sie unter anderem mit der Erklärung, dass sie keine politische Erfahrung habe. Kassier wurde Kevin Bortis, ein Hobbygärtner, der besonders gegen die Pflanzgutverordnung eintritt und der Partei auch ältere und IT-ferne Wählerschichten erschließen könnte.

Um den Posten des Gruppenkoordinators bewarben sich sechs Kandidaten, darunter ein Informatikstudent mit dem Namen Patrick Mächler (was im alemannischen Sprachraum "Bastler" oder "Erfinder" heißt) und der Molekularbiologe Cedric Meury, der sich für die kategorische Abschaffung von Pharmapatenten aussprach. Das Rennen machte nach vier Wahlgängen schließlich Michael Friedrich, ein technischer Redakteur und Betatester für den Spielehersteller Ubisoft. (Peter Mühlbauer) / (pem)

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