Menü

Schwere Konjunkturkrise überschattet Hannover Messe

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket  speichern vorlesen Drucken Kommentare lesen 26 Beiträge
Von

Rund 6150 Unternehmen kommen zur Industrieschau auf das Messegelände in Hannover

(Bild: Messe AG)

Dramatische Auftragseinbrüche, die Umsätze im Sinkflug, düstere Konjunkturaussichten, hunderttausende Beschäftigte in Kurzarbeit: Wohl noch nie zuvor in ihrer 62-jährigen Geschichte ist die Hannover Messe von einer solch schweren Wirtschaftskrise überschattet worden wie in diesem Jahr. Und dennoch: Die Industrieschau, die vom 20. bis 24. April stattfindet, hat die Zahl ihrer Aussteller weitgehend stabil halten können. Ein Besuch in Hannover scheint für die meisten Firmen immer noch zur Pflicht zu zählen, um sich über Neuheiten in ihrer Branche zu informieren.

Vor allem der deutsche Maschinenbau, die Hauptbranche auf der Hannover Messe, ist nach Jahren des Booms voll von der Krise erwischt worden. Im Februar halbierten sich die Aufträge im Vergleich zum Vorjahresmonat – ein historischer Einbruch. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) einen Produktionsrückgang von 10 bis 20 Prozent.

Hoffnung auf eine schnelle Wende gibt es nicht. Die Talsohle sei noch lange nicht erreicht, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. "Wir sind eigentlich noch gar nicht richtig in der Krise angekommen, weil viele Unternehmen noch alte Aufträge haben." Falls es bis Juli oder August keine Zeichen für eine Trendwende gebe, werde es harte Einschnitte geben, auch bei den Beschäftigten.

Insbesondere der Export ist eingebrochen. Im Februar sackten die Umsätze in der Industrie im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um fast ein Viertel ab – ein beispielloser Wert. Die Auslandserlöse sanken sogar um 27,5 Prozent. Um die kritische Lage zu beraten, hat die Bundesregierung für den kommenden Mittwoch (22. 4.) Topmanager und führende Vertreter von Verbänden und Wissenschaft zu einem Spitzentreffen ins Kanzleramt eingeladen – mitten während der Hannover Messe. Zuvor wird Kanzlerin Angela Merkel am Montag in Hannover erwartet.

Merkel dürfte auf verunsicherte Aussteller treffen, die derzeit nur "auf Sicht" fahren – niemand weiß, wann es wieder bergauf geht. Insgesamt rund 6150 Unternehmen stellen auf der Hannover Messe ihre Produkte aus. Damit blieb die Ausstellerzahl trotz der Krise weitgehend stabil. Der Vorstandschef der Deutschen Messe AG, Wolfram von Fritsch, sprach nicht ohne Stolz von einer "robusten und starken" Hannover Messe – im Gegensatz zur Computermesse CeBIT, die im März einen drastischen Aussteller- und Besucherrückgang verzeichnete.

Das Top-Thema der Industrieschau ist Energieeffizienz. Mit Blick auf die Wirtschaftskrise konzentrieren sich die Aussteller branchenübergreifend darauf, Energie zu sparen, sinnvoller zu nutzen und damit Kosten zu sparen. Weitere Schwerpunkte sind industrielle Automation, Antriebstechnik und Windenergie.

Eröffnet wird die Messe am Sonntagabend (19. 4.) von Bundespräsident Horst Köhler und dem südkoreanischen Regierungschef Han Seung-Soo. Südkorea ist in diesem Jahr Partnerland der Messe. Eine Prognose, ob die Industrieschau ein Erfolg wird, sei schwierig, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hesse. "Es kann einen Kick geben, auf den eigentlich alle warten, aber es kann auch Katzenjammer herrschen."

Siehe dazu auch:

(Andreas Hoenig, dpa) / (jk)