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Schwere Ostsee-Sturmfluten – Einzelphänomene oder Klimawandel?

Schwere Sturmfluten an der Ostseeküste sind selten. In diesem Jahr aber gab es eine – wie schon 2017. Lässt sich daraus eine Tendenz für die Zukunft ableiten?

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Schwere Ostsee-Sturmfluten – Einzelphänomene oder Klimawandel?

(Bild: jarmoluk)

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Im Abstand von nur sieben Tagen hat es an der Ostseeküste zum Jahresbeginn zwei Sturmfluten gegeben – mit Pegelständen von 1,79 Metern über normal war eine davon schwer. Bereits vor zwei Jahren waren einmal ähnlich hohe Werte gemessen worden. Das Umweltministerium registrierte dieses Mal eher geringe Schäden. Trotzdem forderten einige Lokalpolitiker sofort Hilfen des Landes. Und auch andere im Norden machen sich Sorgen.

Angesichts der Schäden durch die jüngste Sturmflut müsse erörtert werden, ob es in der Ostsee Veränderungen und dadurch längerfristige Handlungserfordernisse gebe, forderte etwa der CDU-Politiker Werner Kalinka Mitte Januar. Auch der schleswig-holsteinische Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) betonte kürzlich, dass die Klimaveränderungen neue Konzepte für den Küstenschutz notwendig machten.

An der Ostseeküste gilt eine Sturmflut ab einem Pegelstand von 1,50 Metern über normal als schwer. Wie auch an der Nordsee treten Sturmfluten in der Regel ein bis zwei Mal pro Jahr auf. Schwere Sturmfluten sind hingegen ein eher seltenes Phänomen. Ist eventuell ein verändertes Klima schuld daran, dass im Abstand von nur zwei Jahren gleich zwei Mal derart hohe Wasserstände gemessen wurden?

Für solche Schlussfolgerungen ist es zu früh, sagt Andreas Lehmann vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. "Diese zwei Ereignisse sind noch keine Häufung von schweren Sturmfluten", betont er. Erst wenn man über mehrere Jahrzehnte lang einen zahlenmäßigen Anstieg von schweren Sturmfluten feststellen würde, könnte man mit statistischer Sicherheit von einer Häufung sprechen.

Es gebe eine Reihe von Faktoren, die bei der Entstehung von Sturmfluten eine Rolle spielten, erklärt der Wissenschaftler – darunter etwa die Küstenform, der Füllstand der Ostsee, die Gezeiten sowie Wind und Windrichtung. Der einzige Faktor, der erwiesenermaßen in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel steht, sei der steigende Meeresspiegel. Mit drei Millimeter Anstieg pro Jahr dürfte es laut Lehmann allerdings noch dauern, bis dieser bei der Entstehung von Hochwassern eine signifikante Komponente darstellt. Dennoch: "Es ist anzunehmen, dass mit dem Meeresspiegelanstieg die Erosion an den Küsten in Zukunft stärker voranschreiten wird."

Und die globale Erwärmung hat möglicherweise auch indirekt einen Einfluss, erklärt der Wissenschaftler. Eine entsprechende Theorie hat mit dem Jetstream zu tun – einem Wind, der in großer Höhe wellenförmig um die Nordhalbkugel weht und warme und kalte Luftmassen trennt. Weil sich unter den sich ändernden klimatischen Bedingungen der arktische Bereich schneller erwärmt als der südlichere, wird der Jetstream schwächer. Das wiederum führt dazu, dass sich Ausbuchtungen langsamer fortbewegen, die die Lage von Hoch- und Tiefdruckgebieten bestimmen. Das – soweit die Theorie – bedeutet, dass bestimmte Wetterlagen länger an einem Ort verweilen als früher.